Der Blog für achtsame, kreative & ganzheitliche Lebenskunst. Werde Du selbst und sei, was Du bist.
Angst un d Stress

In Zeiten von Stress und Angst sich selbst liebevoll begegnen

Jeder Mensch ist etwas ganz Besonderes. Auch Menschen, die überdurchschnittlich zu Ängsten, Sorgen und Stress neigen. Denn es sind Menschen, die sehr sensibel sind, sehr  intelligent, kreativ, phantasievoll und sehr detailorientiert. Sie können analytisch denken, sind sozial und meist mit einem großen Vermögen zu Empathie gesegnet. Es sind sehr starke Menschen, die viel leisten und viel tragen können, sie sind ausdauernd und zielstrebig. 

Ihr einziges Manko: Sie neigen zum Grübeln und setzen ihre Kreativität so ein, dass sie ihnen zum Nachteil werden können. Sie wenden ihre positiven Eigenschaften unter Anspannung und Belastung gegen sich selbst, sodass sich diese dann schädigend und krankmachend auf sie auswirken, weil Sie sich in Stress und Angst verwandeln können

Doch mit einem gewissen Maß an Achtsamkeit, Geduld, Verständnis  und Selbstfürsorge können diese Verhaltensmuster aufgedeckt und wieder in positiv genutztes Potential umgewandelt werden

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Nichts ist in Stein gemeißelt, so ausweglos manche Dinge vielleicht auch wirken mögen. Nichts muss so bleiben wie es ist. Und mit Stress, Sorgen und Ängsten ist es ebenso. Und wer hat nicht schon einmal so Worte gedacht wie „Werde ich jemals ändern können, dass ich immer wieder so reagiere? Muss ich denn immer gleich so hektisch werden? Wann wird mir endlich gelingen gelassen zu bleiben? Wann findet innerer Frieden auch zu mir?“.

Mögen unser Stress und unsere Ängste noch so groß sein, mögen uns regelmäßig schlimme Panikattacken heimsuchen, mögen uns unsere Gedanken noch so tief runterziehen und uns einreden wollen, dass wir niemals Frieden finden werden und mit bestimmten Dingen adäquat umzugehen lernen. Wenn wir weiter ausharren in der Situation, in der wir sind und die uns nicht gefällt, die uns verzweifeln lässt und uns unzufrieden macht, wird sich auch nichts ändern. 

Alles fängt bei uns selbst an

Wir selbst müssen an einen Punkt kommen, an dem uns klar wird, dass nur WIR SELBST auch die Lösung des Problems sind. Wir sind KEINE OPFER. Durchaus gibt es sicherlich Umstände und Situationen, die nicht schön sind. Wir alle erleben diese immer wieder und wieder. So ist das Leben. Mal ist alles gut. Mal bricht scheinbar alles zusammen. Mal stecken wir es gut weg und wir können mit den Gegebenheiten umgehen. Und ein anderes Mal scheint uns das, was wir erleben, völlig aus der Bahn zu werfen. Alles zerfällt, um sich dann wieder zusammenzufügen. Nur um dann später erneut auseinaderzufallen und sich daraufhin ein weiteresMal zusammenzusetzen. Wieder und wieder und wieder. Ein Leben lang. Kein Zustand ist von Dauer. Nichts währt ewig, mag es uns auch noch so lange vorkommen.

SO ist das Leben. Es ist spontan und unberechenbar. Wir Menschen wollen gern, dass es berechenbar ist, gleichförmig, stet. Wir wollen, dass etwas Bestimmtes passiert, wenn wir etwas Bestimmtes tun oder uns auf bestimmte Weise verhalten. Und wir erwarten regelrecht, dass das Leben dann so abläuft, wie wir uns das vorstellen. Allerdings sind es genau diese Vorstellungen und Erwartungen, die uns innerlich starre werden lassen und damit Enttäuschungen schon vorprogrammiert sind. So funktioniert das Leben nicht. Es tut nicht, was wir wollen. Wie auch. Wir sind sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Wer also hätte das Vorrecht zu bestimmen, wessen Erwartungen erfüllt werden? Zum Glück kann sich solch ein Vorrecht hier auch niemand kaufen, egal, wie viel Geld ein Mensch auch immer besitzen mag (Und es gibt auf unserem Planeten nicht mehr viel, was nicht gekauft werden kann!). Allerdings ist das Leben auch nicht gegen uns. Es bestraft uns nicht, es arbeitet nicht gegen uns. Es tut einfach, was es tut. Dinge passieren. Auch Dinge, die wir nicht wollen, die wir nicht mögen. Dinge, die uns weh tun, uns verzweifeln lassen und uns das Sein als solches in Frage stellen lassen. Aber was auch geschieht, es geht niemals gegen uns persönlich. Es passiert einfach nur, weil es das Leben ist. Also dürfen wir diesen doch etwas selbstmitleidig angehauchten Gedanken ruhig fallen lassen. Wir alle erleben schöne und unschöne Dinge im Leben. Niemand kann sich davon ausnehmen. Niemand hat eine Sonderstellung. Allerdings unterscheiden wir uns stark darin, wie wir die Dinge aufnehmen, die uns begegnen, wie wir auf sie reagieren und mit ihnen umgehen. Das wiederum liegt daran, wie wir als Persönlichkeit sind, welchem Temperament wir unterliegen, wie unsere Eltern uns gelehrt haben mit Dingen umzugehen, wie sie es uns vorgelebt haben und ist jeweils auch von unserer jeweiligen Lebenssituation abhängig. Es sind viele Faktoren, die darauf Einfluss haben, wie wir auf die Umstände reagieren. 

Negative Gefühle
Eine Veränderung braucht Mut, aber nicht mehr als Du bisher schon aufgebracht hast, um Stress und Sorgen zu ertragen.

Aber immer doch ist es an uns selbst etwas zu verändern. Von uns selbst muss das Verständnis dafür ausgehen. Wir dürfen einsehen, dass nur wir den Wandel bewirken können. Das kann im ersten Augenblick Angst machen, denn es bedeutet ja auch, tätig zu werden. Es bedeutet, etwas zu verändern. Das macht natürlich Angst und verunsichert. Und mit jedem Versuch etwas zu verändern, ist vor allem auch das Scheitern impliziert. Doch niemand kann restlos scheitern. Auch das Scheitern hat Grenzen. Wir denken dann immer gleich so Dinge wie „Das schaffe ich nie!“. Aber was bedeutet das schon? Nie?! Es gibt in allem, was wir tun, auch Rückschritte. Wir machen Fehler. JA!!! Wir sind Menschen und wir dürfen Fehler machen. Niemand ist fehlerfrei. Das muss auch niemand sein. 

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben

Es braucht Mut etwas zu verändern. Jedoch bekommen wir ja auch etwas dafür. Wir verändern einfach, was uns belastet, uns Kraft raubt und was wir gern anders haben wollen. Wir müssen nicht gänzlich alles alleine machen und dürfen auf dem Weg auch Hilfe in Anspruch nehmen. Therapeuten, Psychologen oder Freunde können uns zur Seite stehen und uns auf unseren Wegen begleiten, allerdings dürfen wir auch dann niemals vergessen, dass wir die eigentliche Arbeit haben. Jede Hilfe kann nur eine Begleitung sein, jedoch kann uns niemand die Aufgabe abnehmen, dass wir selbst unseren Teil zu erledigen haben. Ein zu starkes Stützen auf Helfer kann daher auch mal ergebnislos bleiben.

Aber wie wäre es, wenn man endlich wieder in seine Kraft käme?! Unsere Energie ist endlos. Wir als Wesen sind unerschöpflich, solange wir unsere Energie sinnvoll einsetzen. Sie allerdings ins Grübeln zu investieren, ins Sich-sorgen, ins Niederringen von Angst und Panik und in den Kampf gegen Stress gehört nicht dazu. So sollte kein Leben aussehen, außer man ist selbst zufrieden damit (was bei den meisten wohl nicht der Fall sein dürfte). 

Du musst im Grund ja nicht einmal Mut dahingehend beweisen, dass Du Dich aus der Abwärtsspirale herumbewegen willst, denn schließlich beweist Du bereits Jahre lang Mut, dass Du den Zustand erträgst, in dem Du Dich befindest.

Jeder, der starken Stress und/ oder Angst empfindet, hat mit einigen der folgenden Symptome zu kämpfen: 

  • Ein- oder Durchschlafstörungen, Schlaflosigkeit
  • Erschöpfung, Müdigkeit
  • Ruhelosigkeit, innere Anspannung, Nervosität, Herzrasen
  • Gefühle von Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit, Verstimmungen, Stimmungsschwankungen, Depressionen, Freudlosigkeit gegenüber eigentlich schönen Dingen
  • Vernachlässigung von Hobbys und sozialen Kontakten, Rückzugsgefühle
  • Konzentrationsstörungen, Fahrigkeit, Grübeleien, Gedankenkreisen, sich ständig wiederholende und unkontrollierbare Gedanken und Sachverhalte
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Magen-Darm-Störungen, Appetitlosigkeit

Menschen, die sehr ängstlich sind oder gar zu Angststörungen neigen, können zusätzlich noch Symptome entwickeln wie

  • starke Angst- und Panikgefühle
  • Muskelan- und -verspannungen, vor allem im Bereich Nacken und Schultern, Bauch und Brustkorb, bis hin zu Taubheitsgefühlen oder gar Schmerzen
  • starke innere Anspannung, auch in friedlichen Situationen
  • Atemnot, Kurzatmigkeit, Druck auf der Brust, Enge im Brustraum, Herzstechen
  • Schwindel, Benommenheit, Verwirrung, Unwirklichkeitsgefühle
  • veränderte Wahrnehmung

Dazu kommen oft noch angstvolle Gedanken, die sich in immer ähnlichen Mustern bewegen, also Sorgen beispielsweise davor

  • verrückt zu werden und den Verstand zu verlieren
  • die Kontrolle (über sich selbst) zu verlieren
  • einen Herzanfall zu erleiden
  • sich in eine peinliche Situation zu bringen
  • krank zu werden
  • zu sterben
  • sich selbst oder andere (schwer) zu verletzen

Solltest Du Dich sehr gestresst fühlen, aber nicht wissentlich an einer Angststörung leiden, Dich jedoch in einigen Aufzählungen wiederfinden, dann gehörst auch Du zu den ängstlich gestressten Menschen und kannst in Gefahr laufen aus übermäßigem Stress heraus eine Angst- oder Panikstörung zu entwickeln. Wenn Du bereits weißt, dass Du zu übertriebenen Ängsten neigst, erkennst Du Dich sicherlich wieder. Die Muster sind immer dasselbe. Ich selbst gehöre auch dazu und obwohl ich als Jungendliche die Erfahrung einer Angststörung machen musste, habe ich nicht immer erkannt, wie diese alten Muster unter Stress wieder in mir wach werden.

Und wenn wir all diese Dinge, die von außen betrachtet wirklich beängstigend klingen, regelmäßig in unserem Leben ertragen – und ich weiß, dass es Menschen gibt, die das Tag für Tag erleben – , wie viel mehr Mut als das sollte es also kosten, das endlich loszulassen und uns in Richtung der eigenen Befreiung zu bewegen?!

Achtsamkeit entwickeln und Stress und Ängste wahrnehmen

Wie bei allem – und da wiederhole ich mich sicher in all meinen ratgebenden Artikeln hier   – braucht es erst einmal einen liebevollen Zugang zu uns selbst und eine Akzeptanz dessen, was ist. Wir müssen uns nicht verdammen dafür, wie und was wir fühlen. Und wir müssen den Stress und die Angst nicht verdammen, dass sie bei uns sind. Diese Dinge sind da, weil sie eine Botschaft haben. Sie sagen uns etwas. Hören wir nicht zu, hören sie dennoch nicht auf Botschaften zu senden. Wenn wir nicht bemerken, dass wir auf Abwegen sind und sich unsere Seele gequält fühlt, weil wir vermeiden hinzuhören, reagiert irgendwann unser Körper. Doch auch da sind wir im Wegschauen noch immer ganz groß dabei. Kopfschmerzen werden unter der Einnahme von Schmerztabletten zugedeckt, Schlafstörungen werden beschimpft und verteufelt, die Schuld im Außen zu suchen ist so leicht (ich weiß, wovon ich rede) und Appetitlosigkeit kann gut hingenommen werden, wenn man vielleicht sowieso das eine oder andere Gramm gern verlieren möchte. Wo machen wir Halt? Was nehmen wir alles hin, nur um ja nichts ändern und um nicht selbst ins Handeln kommen zu müssen? 

Inzwischen sehr viel! Denn in unserer leistungsbezogenen Gesellschaft herrscht ein putziges Paradoxon vor: Es gilt irgendwie als schick sich zu verausgaben und anhand von Stresssysmptomen zu zeigen, dass man sich einbringt, Leistung bringt, sich verausgabt. Andererseits darf nicht gejammert werden. Wir wollen niemandem zeigen, was in uns vorgeht. Nur keine Schwäche zeigen. Nur nicht angreifbar werden. Dabei ist Stress akzeptierter als Angst. Stress ist das Zeichen dafür, dass man sich leistungsmäßig verausgabt hat. Angst dagegen wirft Fragen auf, wird skeptisch beäugt. Angst.. Da kommen den Menschen Assoziationen zu kleinen Kindern, die Angst vor der Dunkelheit haben. Angst hat man als Erwachsener nur noch vor großen Dingen: Vielleicht vorm Fliegen. Vielleicht vor Hunden. Auch vorm Zahnarzt kann man Angst haben. Aber Angst sein tägliches Pensum nicht zu schaffen? Angst, den Anforderungen des Alltags nicht gerecht zu werden? Wer spricht das schon aus.

Allerdings unterscheidet sich das eine nicht wesentlich vom anderen. Wer gestresst ist, entwickelt auch Ängste. Das kann auch ganz unabhängig davon passieren, ob man zu Angststörungen neigt oder nicht. (Und eine Angst-/Panikstörung kann jeden treffen, völlig unvorbereitet – zumindest wenn man die Anzeichen nicht rechtzeitig erkennt.) Stress bedeutet immer, dass wir unter Druck sind, in uns negative Gefühle entstehen, wir uns selbst einer hohen Anforderung aussetzen und uns dauerhaft zu sehr belasten. Und das löst Angst in uns aus, was uns wiederum stresst und zu bestimmten Symptomen führt, die ihrerseits wieder Ängste in uns auslösen. 

Angst un d Stress
Stress und Ängste können unser Leben vergiften. Doch das müssen wir nicht hinnehmen, denn wir haben es selbst in der Hand.

Und hören wir bei „kleinen Symptomen“ nicht aufmerksam zu, wird irgendwann ein Symptom dabei sein, dass uns zum Hinhören zwingt. Nämlich weil es uns in Angst und Panik versetzt. Weil es uns ratlos macht. Weil es uns von Arzt zu Arzt treibt und wir nicht glauben wollen, dass nichts Körperliches zu finden ist. Und müssen wir es dann irgendwann glauben, weil wir nicht weiter wissen, sind wir vielleicht endlich bereit einzusehen, dass es unsere Seele ist, die Hilfe braucht und sich nur den Weg über unseren Körper suchte, um uns zum Einhalten und Hinschauen zu zwingen. Und wer würde nicht hinhören, wenn das Herz weh tut und wir befürchten einen Herzinfarkt zu bekommen oder uns plötzlich das Atmen schwerfällt. 

Also geht es darum zu lernen sich selbst wieder anzunähern. Denn das haben wir oft und auf schleichenden Pfaden verlernt. Wir haben uns angewöhnt mit bestimmten Symptomen zu leben. Sie gefallen uns nicht, ganz im Gegenteil. Sie zermürben uns und dennoch akzeptieren wir sie irgendwie. Wir nehmen sie grundlos hin. Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Müdigkeit, Erschöpfung usw. 

Sich selbst schreibend begegnen

Also nimm Dir einen Zettel, besser noch ist ein Notizbuch, vielleicht sogar Dein Tagebuch, in dem Du dafür eine Ecke einrichtest, und schreibe einfach mal auf, welche Symptome Du hast. Die Liste oben darf Dir gern als Orientierung dienen. Du darfst sie aber sehr gern um eigene Gegebenheiten, Gedanken und Empfindungen ergänzen. Und es ist wichtig, dass sie aufgeschrieben werden, denn eigentlich weißt Du in Deinem Kopf ja um diese Dinge. Wir nehmen sie ja permanent wahr, doch anscheinend reichen allein die Gedanken daran nicht aus, um sie bewusst wahrzunehmen und sie für eine Veränderung unserer Lebensumstände aktiv zu nutzen. Lass Dir gern Zeit damit. Trage diese Liste ein paar Tage (optimal wäre eine ganze Woche) mit Dir herum und ergänze sie immer wieder. Beobachte Dich selbst über den Tag hinweg. Welche Gedanken kommen Dir auf? Welche Körperempfindungen begegnen Dir? Was gefällt Dir gerade nicht an Deinem Zustand? Womit bist Du in Deinem Empfinden unzufrieden? Gibt es Unterschiede zwischen Werktagen und dem Wochenende? Wie sieht es in Deiner Freizeit aus? Wie nutzt Du sie aktiv?

Und wenn Du das Gefühl hast der Liste nichts mehr hinzufügen zu wollen, dann überschau sie Dir mal aufmerksam. Hast Du das Gefühl, dass alles gut ist mit Dir, wenn Du sie durchliest? Betrachte sie mal aus der Perspektive Deines besten Freundes/ Deiner besten Freundin. Was würde er/sie wohl zu Deinen Notizen sagen? Gibt es da Verbesserungen? Oder Dinge, die wirklich dringend geändert werden sollten, um sich wieder in einen zufriedeneren und glücklicheren, gesünderen Zustand zu bringen?

Du kannst diese Liste das Notizheft in dieser Form eine Weile weiterführen oder Du gehst dazu über generell eine Art Tagebuch oder Kalender zu führen in Form von „One Line A Day“: Vermerke am Abend (oder wann immer Dir danach ist!) ein paar Dinge, die Dir tagsüber aufgefallen sind. Was war gut? Worüber bist Du dankbar? Was hat Dir nicht gefallen? Wo warst Du gestresst? Welche Symptome haben Dich über den Tag begleitet? Was würdest Du gern ändern?

Schuldgefühle
Du hast ein Recht darauf glücklich und zufrieden zu sein.

Es aufzuschreiben, macht die Dinge für uns bewusster. Wir nehmen sie nicht mehr einfach so hin. Wir schreiben sie auf. Das bedeutet, wir tragen sie in die Welt, machen sie sichtbar, halten sie fest. Sie werden so real, dass wir sie anderen zeigen könnten, wenn wir das wollten. Das hat etwas mit Einsicht zu tun. Unsere Notizen geben uns die Möglichkeit wahrzunehmen, was mit uns ist und darüber zu reflektieren. 

Aber Achtung: Es geht hier nicht um eine weitere Form der Selbstoptimierung! Das ist ganz wichtig zu verstehen. Und ich weiß, der Grat dazwischen ist extrem schmal. Es geht um Achtsamkeit für sich selbst, nicht darum uns noch mehr aufzuerlegen. Es geht nicht darum besser zu werden (was auch immer das für jeden heißen mag). Es geht darum zufriedener, glücklicher und entspannter zu werden. Und darum, den Herausforderungen des alltäglichen Lebens gelassener gegenüberzutreten.

Wir haben nämlich ein Recht darauf zu leben, weit über die bloße Existenz hinaus. Wir haben ein Recht darauf glücklich und zufrieden zu sein. Alles ist nur eine Frage der Perspektive.

Negative Gedanken in positive Selbstinstruktionen verwandeln

Wenn wir uns mal die Zeit nehmen unseren Gedanken zu lauschen, werden wir feststellen, dass ziemlich wirres Zeug in unserem Oberstübchen abgeht und wir über den Tag hinweg einem beinahe ununterbrochenen Gedankenstrom ausgesetzt sind. Viele der Gedanken in unserem Kopf sind uns nicht besonders positiv gesinnt. Das liegt auch daran, dass wir seit frühester Kindheit negativen Botschaften ausgesetzt sind. Egal ob durch Eltern, Erzieher oder Lehrer. Hast Du miterlebt, wie sich Deine Eltern stritten? Dass sie darüber klagten, wie ihr Leben verläuft? Hast Du erlebt, wie sie mit Stress umgingen? Welche Werte wurden Dir im Kindergarten vermittelt? Und welche Botschaften hat Dir die Schule mit auf den Weg gegeben? 

Wir sind geprägt an allen Ecken und Enden. Vieles übernehmen wir einfach, weil es uns vorgelebt wird und sind oft schon über zwanzig Jahre alt, bevor wir die Dinge, die wir tun und glauben, reflektieren und hinterfragen können. Manchmal kommt dieser Prozess gar erst in Gang, wenn wir eigene Kinder haben. Dann nämlich, wenn wir die Generation sind, die Werte und Normen an ein zukünftig selbständiges Leben weitergeben. Wenn wir Pech haben, geben auch wir die Botschaften nur einfach weiter und prägen damit die uns nachfolgende Generation so, wie auch wir geprägt wurden. Wenn wir Glück haben, fällt uns beim Aussprechen bei dem einen oder anderen auf, dass das kein Wert ist, den wir so weitergeben können, weil er mit uns selbst nicht überein stimmt, weil wir ihn als bedeutungsleer wahrnehmen und keinen Sinn dahinter erkennen. Und wenn uns das einmal passiert ist, werden wir aufmerksam sein und auch noch mehr Dinge hinterfragen. Es ist nicht alles schlecht, was wir durch andere erfahren haben, doch kritisches Betrachten kann niemals verkehrt sein. 

Hochsensibilität
Knechte Dich nicht selbst mit negativen Gedanken. Du hast in der Hand, was Du denkst und wie auch Deine Gedanken mit Dir umgehen.

Ein klassisches Beispiel, das mir zu diesem Thema immer ganz präsent ist und von dem ich weiß, dass es mich bis heute beeinflusst, ist die Sache mit dem Aufessen. Als Kind der Achtzigerjahre ist mir noch als wichtiges Gut vermittelt worden, dass man aufisst. Ich denke, das lag daran, dass die Generation meiner Eltern (50er Jahre) unter dem Einfluss von Eltern großgeworden ist, die unmittelbar und ganz direkt den zweiten Weltkrieg miterlebt haben. Es herrschte überall Hunger und Not, und das über Jahre hinweg. Nichts durfte verkommen und oder weggeschmissen werden. Ich finde gut, wenn man mit Lebensmitteln sorgsam umgeht. Solange es Menschen auf unserem Planeten gibt, die an Hunger sterben, ist es unsere Pflicht achtsam mit unseren Lebensmitteln umzugehen und dankbar für das sind, was wir haben. Aber es hatte in meiner Kindheit auch etwas Gewaltsames, dass ich öfter vor meinem Teller sitzen bleiben musste, weil ich nicht aufgegessen hatte. Diesen Akt kenne ich aus dem Kindergarten als auch aus dem Elternhaus. Ich fand es furchtbar. Es hat sich tief in meine Seele eingebrannt, wie ich alleine am Tisch sitze, während alle anderen ihrem Leben nachgehen, nur weil ich nicht genug Hunger oder Appetit hatte, um aufessen zu können. Mit Sicherheit hätte ich es getan, wenn ich nur irgendwie gekonnt hätte. Denn das allein am Tisch zurückbleiben, war schlimm. Doch wo sollte ich das Essen hinstecken, wenn es doch in meinen Magen nicht mehr passte? Es hat an keiner Stelle Mitleid erweckt. Manchmal saß ich lange vor meinem Teller. Das Essen wurde kalt, unansehnlich und trocken.

Heute bin ich erwachsen. Ich tue mir selbst auf und weiß, wie viel ich essen will und kann. Und sollte ich doch mal eher satt sein als der Teller leer ist, lasse ich den Rest stehen. Fertig. Und obwohl ich das weiß und umsetze, bleibt ein eigenartig dumpfes Gefühl in mir zurück, dass es falsch ist. Das, was das Herz weiß und das, worauf der Verstand konditioniert ist, sind verschiedene Seiten. 

Negative Selbstinstruktionen auf dieses Beispiel angewandt, wäre es: „Ich muss aufessen.“) machen uns klein, traurig und hilflos. Sie machen uns wütend auf uns selbst, vermitteln uns Schuldgefühle und machen unsicher und ängstlich. Aber wir dürfen loslassen, was nicht zu uns passt und was sich für uns selbst falsch anfühlt. Wir dürfen hinterfragen und verändern. Wir dürfen unseren Verstand neu programmieren und mit positiven Selbstinstruktionen füttern. Es ist wohl das Absurdeste, was es beim Menschen gibt, sich selbst zu manipulieren und doch tun wir es Tag für Tag wieder. 

Fakt ist: Was wir uns zutrauen, schaffen wir auch. Wir schaffen es nur nicht, wenn wir uns dauernd selbst sagen, dass das nicht geht. Positive Gedanken schenken uns Kraft, Energie, Aufschwung, Zuversicht, Selbstvertrauen und Freude. Sie machen uns Mut, motivieren uns, geben uns selbst Mitgefühl und schenken uns Sicherheit, wenn wir doch mal in Angst und Zweifel geraten. Und so wie wir uns die negativen Gedanken angewöhnt haben, so können wir sie durch positive ersetzen. 

Um die negativen Gedanken und Selbstinstruktionen zu entlarven, kannst Du wieder Dein Tagebuch oder Dein Notizheft zur Hand nehmen und über die Dauer einiger Tage oder Wochen hinweg beobachten und aufschreiben, was in Deinen Gedanken so vor sich geht. Notiere sie und nimm wahr, wie sie Dich antreiben, Dir ein schlechtes Selbstbild vermitteln oder Dich beschimpfen. Man nimmt sie schon am wütenden, jammernden Ton wahr:

  • „Ich will das nicht.“
  • „Ich kann das nicht.“
  • „Ich bin müde.“
  • „Ich bin zu .. “ (dick, dünn, dumm, ungebildet, schlecht usw. Hier kann im Grunde alles auftauchen, die Palette ist das vielfältig und groß!)
  • „Ich bin dafür nicht gut genug.“
  • „Es ist zu kalt. Das Wetter gefällt mir nicht.“
  • „Ich sollte .. “ (abnehmen, mal wieder joggen gehen, mich gesünder ernähren, flexibler sein, mehr Zeit mit meiner Familie verbringen, belastbarer werden, noch eine Weiterbildung machen usw. Die Auswahl ist hier ähnlich vielfältig wie oben!)

Es geht nicht darum, dass zwingend falsch ist, was wir denken. Doch wie wir vielleicht manchmal zu anderen Menschen sagen wollen: Der Ton macht die Musik. Es geht also darum, wie wir mit uns selbst umgehen bzw. wie wir mit uns selbst sprechen. 

Nach Lucinda Bassett sind dazu 4 Schritte notwendig:

  1. Erkenne, dass Du negativ denkst.
  2. Akzeptiere, dass Deine negativen Gedanken eine Gewohnheit ist, die Du ablegen kannst.
  3. Nimm Dir vor, dies auch wirklich zu tun.
  4. Und ersetze die negativen Gedanken durch positive Selbstinstruktionen. 

Beispiel

Negativ: „Ich will heute nicht auf Arbeit gehen. Ich habe diese Nacht schlecht geschlafen, bin jetzt müde und fühle mich total erschöpft.“

Positiv: „Ich habe schon immer mal schlecht geschlafen und mich dann müde gefühlt. Ich habe den Tag trotzdem immer gut hinter mich gebracht und alles geschafft, was ich schaffen musste. Das ist kein Drama. Ich kann ja tagsüber mal schauen, was heute nicht unbedingt notwendig ist und wo ich heute mal Abstriche machen kann, um etwas mehr Raum für mich zu schaffen, damit ich pünktlich in den Feierabend/ ins Bett komme.“

Sag Dir nur Dinge so, wie Du sie auch glaubst. Es geht hier nicht um das typische positive Denken. Positives Denken ist kein Allheilmittel, sondern kann schnell dazu mißbraucht werden unser eigentliches Empfinden und Fühlen zu übertünchen. Ganz nach dem Motto: „Wenn wir nur etwas Positives darüber klatschen, nehmen wir das Negative wenigstens nicht mehr wahr.“ So hätten wir unsere Wirkung dann ebenso verfehlt. Sei also ehrlich mit Dir selbst und sprich Dir auf eine Art gut zu, wie es Dir gut tut und Du es auch von einem sehr guten Freund erwarten würdest. Sei authentisch und ehrlich mit Dir. Das darf liebevoll, aber auch humorvoll sein. 

Positiv: „Das ist doch nicht tragisch, dass ich heute nicht so gut geschlafen hast und noch müde bin. Der Tag wird rumgehen. Die Tage gehen immer rum. Dann bin ich heute eben mal müde. Was soll’s?! Das nehme ich nicht so ernst. Ganz sicher schlafe ich dann in der kommenden Nacht umso besser. Und morgen ist ein neuer Tag.“

Es ist ein erster und sehr wichtiger Schritt raus aus dem Stress und aus den negativen Gedanken. Sei also selbst Dein bester Freund und sorge für Dich. Denn schließlich weißt Du, was Du brauchst und bist generell der/die Einzige, der/die Dir das auch in angemessenem Maße geben kann. 

💚 Mögest Du glücklich und zufrieden sein. 💚

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Hier folgt noch die im Text genannte Autorin und die dazugehörige Textquelle als Buchempfehlung:

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