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Trauer schreibend begegnen

Trauer schreibend begegnen

Trauer ist ein unglaublich starkes Gefühl, dass uns – je nach Grund – überwältigen kann. Sie wirkt verheerend, vernichtend, drückt uns nieder, verletzt und macht uns verzweifelt. 

In Trauerprozessen zu schreiben, kann Dir an den Stellen helfen, an denen die Endlichkeit unseres Lebens und die Irreversibilität des Todes uns in Sprachlosigkeit und Verzweiflung stürzt.

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Es gibt viele Möglichkeiten der eigenen Trauer zu begegnen. Dies schreibend zu tun, ist eine davon. Denn Trauer ist ein Prozess und verläuft nach keinem Schema, ist nicht jeden Tag gleich. Menschen in Trauer durchlaufen vielfältige Gefühle, die wieder schwanken. An manchen Tagen ist der Schmerz halbwegs erträglich, an anderen scheint er uns zu Boden zu drücken, zu lähmen, uns das Herz zu zerreißen und unsere Seele zu zerfressen. 

Beim Trauern geht es nicht, wie so oft behauptet, ums Loslassen. Sondern es geht um Integrieren. Den Tod als Bestandteil unseres endlichen Lebens anzuerkennen und das, was wir durch ihn verloren haben und den Schmerz diesbezüglich in unser Leben zu integrieren. Und der Liebe, die wir für den Verstorbenen empfunden haben, einen angemessenen Platz in unserem Herz einräumen. Denn auch wenn er tot ist, wird er immer ein Teil von uns bleiben. 

Ich habe einmal gelesen, dass wir besonders um Menschen trauern, die einen Einfluss auf unser Leben genommen haben. Menschen, die nach ihrem Tod etwas in uns zurückgelassen haben. Ohne die wir heute nicht wären, wer wir sind. 

Diese Erklärung liefert auch die Antwort darauf, warum wir nicht loslassen können. Weil wir nicht loszulassen vermögen, was ein Teil von uns geworden ist und nun liebevolle Erinnerung darstellt.

Trauer schreibend begegnen

Papier ist geduldig. Egal, wie oft Du Dich wiederholst, wie oft Du dabei weinst und das Papier beim Schreiben durchweichst, egal welche Ausdrücke Du benutzt oder Dinge preisgibst, von denen niemand jemals erfahren hat oder jemals erfahren soll. Dinge, die man sonst nicht aussprechen würde. Das Papier hört Dir zu, bewahrt Deine Worte sorgsam auf oder reicht Deine Worte ans Universum und an den weiter, für den sie bestimmt sind. 

Als ich mit dem Tod meines Vaters vor 10 Jahren und jetzt aktuell mit dem Tod eines engen Freundes konfrontiert war, hatte ich nach etwa vier Wochen (und für einen Trauerprozess ist das im Grunde überhaupt keine Zeit) bereits das Gefühl alles gesagt und beweint zu haben. Irgendwann befiel mich die Sorge, dass mir irgendwann keiner mehr zuhören würde, nur weil mich wieder und wieder ähnliche Gedanken, manchmal nur unter anderen Gesichtspunkten und Gefühlen zu seinem Tod quälten. Ich empfinde Trauern als einen einsamen Prozess. Als einen Prozess voller Zerrissenheit und Widersprüchlichkeit. Ich wollte mit jemandem reden über das, was mich dazu bewegt, andererseits war mir nach Alleinsein, um mich meinem traurigen Sein hinzugeben, ohne einer Vorstellung Anderer, wie ich sein sollte, entsprechen zu müssen. Oft fehlten mir die Worte und ich war im wahrsten Sinne SPRACHLOS. Es waren noch immer alle anderen Menschen um mich herum, wie sonst auch, und doch fühlte ich mich ausgeschlossen, verletzt und vor allem einsam. Niemand kann einem den Weg der Trauer abnehmen. Und wenn es mehrere Menschen betrifft, die um denselben Menschen trauern, so hat dennoch jeder seinen eigenen Weg die Trauer zu verarbeiten und mit dem umzugehen, was einem die Trauer auferlegt. 

In diesen Zeiten war das Schreiben für mich die beste Möglichkeit mich mit meinen Gedanken und Gefühlen auseinanderzusetzen, achtsam mit mir zu sein und mich in Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl zu üben, ohne die eine Trauerbewältigung wesentlich erschwert voranschreitet würde. 

(Trauer)Tagebuch schreiben

Tagebuch zu schreiben ist eine angenehme, leichte und immer zugängliche Form sich mit sich und seinen Gedanken und Gefühlen auseinanderzusetzen. Das funktioniert allerdings nicht nur im Alltag und in den positiven Phasen unseres Lebens, sondern ein  Tagebuch kann uns vor allem auch in schweren Zeiten ein ganz besonderer Begleiter sein. 

Dazu kannst Du Dein übliches Tagebuch verwenden, so Du sowieso Tagebuch schreibst. Du kannst aber auch in einem Todesfall eines Dir nahestehenden Menschen ein gesondertes Trauertagebuch schreiben – unabhängig davon, ob Du sonst auch schreibst oder dies noch nie getan hast. Wenn Dir danach ist, mach es einfach. Und wenn Du bisher solch einen Weg der Trauerbewältigung nicht in Betracht gezogen hast, probiere es einfach einmal aus. Vielleicht bist Du erstaunt über die Wirkung dieser Methode.

In einem Trauertagebuch haben all Deine Gedanken und Gefühle Platz, die Dich in den Zeiten schwerer Trauer, Verzweiflung und Sehnsucht bedrängen. Dort kannst Du unzensiert und ungefiltert schreiben. Alles kann einfach aus Dir heraus und auf das Papier fließen. Niemand muss das jemals lesen. Ist das Büchlein voll und die Trauer lässt irgendwann nach, könntest Du das Tagebuch sogar verbrennen, wenn Du es nicht mehr bei Dir haben willst. 

Finde Deine eigene Form für Dein Trauertagebuch. Rein äußerlich (welches Büchlein oder Heft magst Du verwenden? Oder sollen es nur lose Seiten eines Blocks sein?) und auch inhaltlich (möchtest Du Dich in Gedichten ausdrücken? In Zeichnungen? Mit Farben oder gar in Briefform? Den Verstorbenen ansprechen? Eine Auseinandersetzung mit Dir selbst?).

Du entscheidest selbst, welchen Ausdruck Deine Trauer wann braucht.

Einen Brief an die eigene Trauer schreiben

Wenn wir mit dem Tod eines Menschen, den wir geliebt haben und der uns nahe stand, konfrontiert werden, ist nichts mehr so wie es zuvor einmal war und wir können nicht darauf hoffen, dass es das je wieder sein wird. Auch wir selbst sind hinterher ein anderer Mensch. Wir sind dann ein Mensch, der eine schwere Trauer getragen und bewältigt hat. Wir waren mit dem Tod konfrontiert, was uns unweigerlich auf uns selbst und unsere eigene Endlichkeit zurückwirft, auf unseren eigenen Umgang mit und unsere eigene Sicht auf das Leben. Jeder Tod, den wir verarbeiten, hinterlässt Spuren, macht uns wacher, reifer, offener.

Die Trauer ist eine schwermütige, zähe, wilde und unberechenbare Zeitgenossin. Sie hat uns fest im Griff, nimmt für eine gewisse Zeit all unser Denken, Fühlen und Empfinden ein. Sie macht uns blind und taub, während unsere Sinne weiterhin funktionieren (wenn auch unsere Wahrnehmung in der Zeit eingeschränkt und konfus erscheint). Sie macht uns sprachlos, aber nicht stumm. Trauer stürzt uns in Verzweiflung, lässt in uns quälende Sehnsucht nach dem Verlorenen zurück, sie macht uns wütend, weil wir durch sie fühlen, was wir fühlen. 

Schreibe gern an Deine Trauer einen Brief. Sage ich, was sie mit Dir macht. Wie sie an Dir zerrt, Dich verzehrt, Dich zu knechten scheint. Sprich sie an, beschäftige Dich mit dem Gefühl, welches wir als Trauer bezeichnen. Schreibe über ihre Intensität, ihre vielen Gesichter, ihre Komplexität.

Einen Brief an den Verstorbenen schreiben

Mit dem Tod ist das Leben eines geliebten Menschen zu Ende gegangen. Unwiderruflich. Die verbale Kommunikation, so wie wir sie in unseren Lebzeiten miteinander praktizieren, ist damit nicht mehr möglich. Das Prinzip von Rede und Antwort ist damit abgebrochen. Alle Kommunikation, die nun mit dem Verstorbenen noch stattfinden kann, wird einseitig sein, weil nur noch eine Seite des Sprechens mächtig ist.

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, gerade wenn der Tod unerwartet kam, bleiben oftmals Fragen offen und es setzen schnell Gefühle von Schuld und Reue ein. Die Hinterbliebenen bereuen Dinge, die nicht noch gesagt oder getan werden konnten. Immer wieder quält sie die Frage, ob derjenige wusste, wie wichtig er ihnen war, wie gern sie ihn hatten. So gern hätte man Dinge vielleicht noch aus dem Leben geräumt, doch der Tod kam einem zuvor und so kann es sein, dass Worte ungesagt, Dinge ungetan blieben, die nun auch nicht mehr nachgeholt werden können. 

Bei Trauer schreiben

Wenn sich etwas so Großes wie der Tod durch unser Leben wälzt, haben wir keine Chance mehr etwas aufzuarbeiten. Wir bleiben verwundet zurück und müssen früher oder später akzeptieren, dass der Mensch, den wir liebten, nicht mehr ist.

Viele Hinterbliebene sprechen mit dem Verstorbenen. Ihm Briefe zu schreiben kann diese Art der Zwiegespräche unterstützen, ergänzen und intensivieren.

Ich selbst hatte dann das Gefühl, dass meine Worte nicht nur einfach so verklingen, sondern auf Papier gebannt, hatten sie für mich Bestand und eine Art von Echtheit. 

Um mit den Gefühlen, die gerade in den ersten Wochen nach einer Todesnachricht in uns wüten, umzugehen, kann schreiben sehr hilfreich sein. Schreibe einen Brief an den Menschen, der Dir so wichtig war und den Du nun verloren hast. Schreibe ihm all die Dinge, die Du nicht mehr hast sagen können. Lass den Verstorbenen wissen, was Dir jetzt, nach seinem Tod, noch auf dem Herzen liegt. Lass ihn wissen, was Du ihm nicht mehr hast persönlich mitteilen können. Du darfst auch Kritik äußern, Wut ausdrücken, Enttäuschung kundtun. Aber Du darfst auch mit ihm träumen, über gemeinsame, nun nicht mehr umsetzbarePläne sprechen, in Erinnerungen schwelgen. Schreibe über Deine Sehnsucht nach ihm, Deine Einsamkeit, Dein Verlassensein, Deine tiefe und unergründlich wirkende Trauer. 

Solltest Du nicht alles in diesem einen Brief unterkriegen, ist auch das nicht schlimm. Es muss nicht zwingend nur einen finalen Abschiedsbrief geben. Schreib einfach mehrere, wenn Dir danach ist. Wenn wieder ein neuer Gedanke in Verbindung mit dem Verstorbenen auftaucht, der Dich beschäftigt. Oder ein neues Gefühl, dass Dich schmerzt.

Bei Trauer schreiben
Briefe an den Verstorbenen als Flaschenpost..

Verwahre den Brief an einem sicheren Ort (einer Kiste, in den Seiten Deines Tagebuchs),  so werden sie, für sich gesehen, auch zu einer Art Trauertagebuch. Oder hinterlege ihn auf dem Grab des Verstorbenen oder vergrabe ihn in der Natur, vielleicht an der Stelle, an der der- oder diejenige gern war. An einem Platz, der Euch Beide miteinander verbunden hat. Genauso kannst Du den Brief aber auch verbrennen oder als Flaschenpost aufs Meer hinausschicken. Hier sind Dir keine Grenzen gesetzt. 

Einen Brief an sich selbst (aus Sicht des Verstorbenen)

Diese Methode eignet sich besonders dann, wenn uns Schuldgefühle und Reue schwer plagen. Denn oftmals gibt es einen nicht ganz unwesentlichen Unterschied zwischen unserer empfundenen Schuld und dem, was der Verstorbene dazu zu uns zu seinen Lebzeiten noch gesagt hätte.

Schreibe also einen Brief aus Sicht des Verstorbenen an Dich selbst. Was würde der Verstorbene Dir bezüglich Deiner Trauer und Deiner noch offenen, ungeklärten Fragen sagen? Würde er Worte des Trostes aussprechen? Würde er Dich wissen lassen, dass Du Dich nicht so martern sollst? Würde er Dir sagen, dass er das alles gar überhaupt nicht so empfunden hat?

Schuld ist äußerst subjektiv und hat oft etwas mit unseren eigenen „Dämonen“ zu tun, die oft nur in unseren eigenen Köpfen existieren.

Lass den Verstorbenen noch einmal zu Dir sprechen. Lass ihn Dir Mut zusprechen und Dich in Deiner Trauer trösten. Lass ihn Dir versichern, dass er die Dinge nicht so arg gesehen hat, wie sie jetzt in Deinem Denken an Größe gewinnen im Angesicht seines Todes. (Aber achte stets darauf, dass das nicht in Beschimpfungen aus Sicht des Verstorbenen abrutscht. Dann solltest Du diese Art der Schreibübung abbrechen und auch nicht praktizieren.)

Vielleicht..

All diese Methoden können dem Ausdruck verleihen, was sich tief in uns wie Sprachlosigkeit und schiere Verzweiflung anfühlt. Um den furchtbaren Stimmungsschwankungen, die uns mit dem Verlust eines Menschen (sei es durch Tod oder auch Trennung) heimzusuchen scheinen, zu begegnen und mit ihnen umzugehen, kann Schreiben tatsächlich ein Weg sein. 

Du allein bestimmst dabei das Maß, die Form, die Häufigkeit und die Worte. Ohne Druck, ohne Zwang, ohne Maßregelung oder Begrenzung. 

Ich wünsche Dir in dem Prozess der Verarbeitung Deiner Trauer viel Mut und vor allem Zuversicht, dass irgendwann die schönen Erinnerungen den Schmerz überwiegen. 

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