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Eine Weihnachtsgeschichte

Wunderliche Weihnacht –  Eine kleine Weihnachtsgeschichte

Heute, anlässlich zum heiligen Abend gibt es meinerseits mal eine kleine Weihnachtsgeschichte, die ich als Kind immer vorgelesen bekam. Sie stammt aus einem kleinen, dünnen Tchibo-Heft, das  noch aus den 60er Jahren stammt und die es damals  wohl kostenlos für die Kinder gab. 

Auch meine Mutter ist bereits mit diesen Heftchen durch die Weihnachtszeit ihrer Kindheit begleitet worden. Insgesamt hatten wir drei von insgesamt sechs Ausgaben. Nun habe ich eines davon und möchte Euch an einer der kleinen Weihnachtsgeschichten darin teilhaben lassen – so aus ganz eigenen nostalgischen Gründen. 

***

Eine Weihnachtsgeschichte

Den Hut tief in die Stirn gezogen, den Rockkragen hochgeschlagen, so stapfte der alte Staupp schräg gegen den anspringenden Schneesturm. Dabei überzählte er mit flinken Fingern, was dieser Tag eingebracht hatte. Er war zufrieden. Unter dem Harten war mehr Großes als sonst. Im Rechnen war er ein Genie. Er zählte alles zusammen: das Dreieinhalbfache des üblichen Tagesdurchschnittes! Sowenig er sonst auch auf Weihnachten hielt, musste er doch zugeben, dass die Leute an diesem Tage williger und mehr gaben als sonst. Allerdings gab es auch mehr Worte als üblich, gute Wünsche, fromme Lehren, manchmal auch eine freundliche Anspielung auf die allzu deutlichen Zeichen eines „feuchten“ Umsatzes, die ihm im Gesicht standen. Staupp hasste Worte, besonders gut gemeinte, er hasste überhaupt dieses festliche Getue: die geschäftigen Frauen, die sich, ehe sie das Kleingeld hervorkramten, erst den Teig, der ihnen vom Backen an den Fingern klebte, in die Schürze wischen mussten, die Männer, die sich wichtig machten und sanft wie Apostel wurden. 

Die paar Häuser noch – dann reichte es, um Weihnachten auf seine Art zu feiern. Alles andere war lächerlich. Staupp nahm das erste Haus und stieg in den Oberstock empor. Kleine Leuten wohnten hier. Recht so! Die gaben mehr als die reichen und die sparten dafür mit Worten. Er machte das Gesicht „große Kümmernis“ und klopfte an die Tür. Niemand öffnete. 

Daran war er gewöhnt. Schon wollte er ein zweites mal klingeln. Da hörte er drinnen eine dünne, zarte Stimme. Weint da nicht jemand? Er hielt den Atem an und lauschte. Richtig, da weinte ein Kind, nicht laut, nicht aufdringlich, vielmehr ganz still, wie Tiere klangen. Das griff dem Alten an das Herz „Bist Du allein?“, fragte er durch die schmale Türöffnung hinein. Keine Antwort!

Hochsensibilität

Nur die schmerzliche, von stiller Klage zerrissene Stimme des Kindes. Staupp griff um den Dietrich. Das Schloss schnappte ein. Vorsichtig drückte er die Tür auf. Ein einziger Raum war da, ein Herd, ein Bett, auf dem Boden hingekauert das Kind, ein Mädchen, etwa 4 Jahre alt. 

„Weinst Du?“, fragte Staupp mit leiser Stimme.

„Weißt Du denn nicht, was heute für ein Tag ist? Heute ist doch .. . „ Das Wort wollte dem Alten nicht über die Lippen. Das kleine, blasse Mädchen blickte erschrocken den fremden Mann an. Es hatte ein schmales, blasses Gesicht, Sommersprossen auf der Stirn und auf der kleinen Stupsnase. Der Alte kniete sich zu dem Kind nieder und wischte ihm die Tränen von den Augen. 

„Ganz alleine haben sie Dich gelassen, wie?“, fragte er. Die Kleine nickte. 

„Die Frau Blaschek ist fortgegangen!“

„So? Fortgegangen ist sie, die Frau Blaschek? Ist das nicht Deine Mutter?“

Da richtet das Kind seine Augen groß und verwundert auf den alten, versoffenen Bettler und schüttelte den Kopf.

„Nicht Deine Mutter? Ach, ich verstehe. Die Frau Blaschek hat Dich bloß angenommen, vielleicht wegen des Kostgeldes, wegen der Waisenrente oder so. Und jetzt ist sie fortgegangen. Geht ins Kino und lässt Dich alleine. Nein, nicht ins Kino. Das spielt heute nicht. Aber Dich hat sie allein gelassen. Oh, ich kenne das, wenn man so alleine ist.“

Mit zitternden Fingern fuhr er der Kleinen über das weiche, rötlich blonde Haar. 

„Und heute ist doch Weihnachten!“

Wie seltsam das Wort aus seinem Munde klang! 

Die Kleine blickte zweifelnd zu ihm auf. 

„Ja, Weihnachten,“ fuhr Staupp fort, „da kommt doch das Christkind!“

„Das Christkind?“

„Die Leute sagen so, weißt Du, aber die Leuten sagen viel!“ 

Der Alte wusste nicht recht, was er tun sollte. Aber die spannende Erwartung in den Augen des Kindes brachte ihn um die letzte Vernunft. 

„Aber manchmal ist es wahr, was die Leute sagen!“

„Aber das Christkind kommt heute wirklich?“

„Wirklich!“ nickte der Alte, „ganz wirklich!“

Intuitiv schenken

Als der alte Staupp die Stunde danach wieder in den Raum trat, war die Kleine in der Ecke eingeschlafen. Leise bewegte sie im Traum die Lippen. Weiß Gott, vielleicht träumte sie wirklich vom Christkind. Da legte er alles, was er in der Eile gekauft hatte, auf den Tisch hin: die kleine Stoffpuppe mit dem roten Kleidchen – ein sündteueres Stück! -, dazu den Ausschneidebogen, die Lebkuchen und die vergoldeten Nüsse und Herzen. Leise schlich er sich fort. 

Gewohnheitsmäßig tasteten seine Finger in die Hosentasche: „Leer, absolut leer!“

„Alter Narr“, knurrte er, „alter Narr!“

Doch im Grunde genommen war er ganz vergnügt dabei. 

(Zu dieser Geschichte habe ich leider weder eine Quelle noch einen Autor. Sie stammt lediglich aus einem dieser Tchibo-Weihnachtsheftchen aus den 1960er Jahren.)

♥ Euch allen wunderschöne Stunden heute und in den folgenden Tage. Seid bescheiden und dankbar für das, was ist und akzeptiert das, was nicht ist. Genießt die freie Zeit, das Zusammensein mit lieben Menschen und vielleicht auch Stunden der Einsamkeit und Stille. ♥

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