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Demut

Demut ..was sie uns lehrt und warum wir alle ein wenig mehr davon in uns tragen sollten

Demut. Was ist das eigentlich? Ein Begriff, der irgendwie veraltet wirkt. Für viele Menschen birgt er etwas Negatives. Er klingt nach Duckmäuserei, Bittstellern, nach Untertänig-sein,  buckeln, ja-sagen. Und ja vielleicht sogar ein wenig nach Feigheit. Am ehesten ordnet man das Wort wohl noch religiösen Zusammenhängen zu. „Der Gläubige muss demütig sein, um die Gunst des Herrn zu empfangen.“, regt sich da in unseren Köpfen. Mag sein, dass dieses Wort dort seinen Ursprung hat, doch ist Demut etwas, das nicht an Religion gebunden ist.

Was ist Demut denn dann wirklich? 

Zeit, den Begriff und was sich hinter ihm für unser aller Leben verbirgt, abzustauben, ihn aus der Versenkung zu heben, zu polieren und seine Bedeutung auch in einer so hochmodernen Welt wie der unseren heute in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Denn Demut geht uns alle an und hilft uns das Leben und alles, was uns darin begegnet, so zu sehen, wie es ist. 

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Demut ist durchaus heute kaum mehr ein gängiger und gebrauchter Begriff. Ich könnte nicht einmal sagen, wann ich ihn selbst im täglichen und allgemeinen Sprachgebrauch das letzte Mal wahrgenommen hätte. Und wer hört einem schon noch zu, wenn man erst einmal beginnt von der Notwendigkeit von Demut zu sprechen. Doch trotz seiner unmodern wirkenden Erscheinung trägt er nichts von dem oben genannten in sich. Demut hat, nur weil das Wort begrifflich aus unserem Sprachgebrauch zunehmend verschwindet, nicht an Aktualität verloren. Ganz im Gegenteil. Gerade heute, wo alles möglich zu sein scheint, uns die Welt offen steht, wir uns selbst verwirklichen können, es alles gibt, was man sich vorstellen (oder auch nicht vorstellen) kann, die Technik und Medien beinahe alles möglich machen und sich vieles so entwickelt, dass es über uns als Menschen und unser Vorstellungsvermögen hinauswächst, ist Demut wichtiger und bedeutender denn je. 

Demut, unser Anker

Denn Demut hält uns am Boden. Sie ist der Anker zur Realität, wenn wir abzuheben drohen. Wenn wir in Gefahr laufen, dass uns die Wogen des Lebens davontragen. Wenn uns Dinge zu Kopf steigen, wir uns auch mal in Überheblichkeit, Arroganz, Überlegenheit oder gar Größenwahn verlieren. 

Und damit meine ich nicht, dass Demut nur ein Thema für die Reichen und Erfolgreichen ist – für die, die sich scheinbar alles leisten können. Für die, die viel erreicht haben im Leben (was auch immer dies für jeden Einzelnen individuell bedeutet). Für die, die Macht haben (was auch immer dies wiederum für jeden einzelnen bedeuten mag). Schließlich haben Politiker Macht, große Konzerne, der Staat, Ärzte. Aber Macht haben beispielsweise auch Lehrer über ihre Schüler, Erzieher bzw. Eltern über Kinder oder Pflegefachkräfte über zu pflegende, meist aufgrund von Alter, Krankheit oder Behinderung auf Hilfe angewiesene Menschen. Und der Mensch glaubt Macht über die Natur zu haben. Über die Pflanzen und die Tiere. 

Jeder von uns hat Macht über irgendetwas oder irgendwen. Und jeder von uns muss entscheiden, ob er diese Macht ausübt, in welcher Form und ob er sie nutzt, um Gutes zu bewirken oder um seine eigenen Interessen durchzusetzen. Um selbst größer zu werden, indem er andere kleiner macht. 

Wir alle sind aufeinander angewiesen

An den Stellen hilft uns Demut zu verstehen und zu wissen, dass wir zwar Teil der göttlichen, universellen Schöpfung sind, jedoch nicht Gott selbst. Wir sind nicht allwissend, nicht die alles Könnenden, nicht die niemand Brauchenden. Wir sind  alle aufeinander angewiesen, ob wir das wollen oder nicht. 

Ob wir in der Lage sind dies anzuerkennen oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Wir alle funktionieren nur im gegenseitigen Miteinander. Wir sind das Kleine im Großen, das Unbedeutende im Bedeutsamen, wir alle sind Teil einer Geschichte, die mit dem Urknall begann. Na wenn das kein Grund ist, um demütig zu sein, dann weiß ich auch nicht.

Das bedeutet, dass jeder abhängig ist von anderen. Wir arbeiten zusammen, ergänzen uns und unsere Fähigkeiten. Der eine bietet etwas an, der andere braucht es. Der eine weiß etwas, ein anderer will es wissen. Jemand kann etwas, der andere kann das nicht, braucht aber jemanden, der genau das kann. Es ist ein ewiger Kreislauf. Und sind wir nicht mit einem Flugzeug auf einer einsamen Insel abgestürzt oder haben uns bewusst dazu entschieden irgendwo fernab der Zivilisation ganz allein und autark ohne Geld und Konsumgüter in der Wildnis zu leben, kann sich wohl niemand ausnehmen aus diesem Lebenskreis. Wir alle geben und nehmen gleichzeitig, sind sowohl Schüler als auch Lehrer, wir wissen alles und doch wissen wir nicht das Geringste. 

„Ich weiß nur, dass ich nichts weiß.“

über den Urheber wird gestritten

..ist heute ein oft wiedergegebenes Zitat von wem auch immer. Die einen sagen, es war Platon. Die anderen schreiben die Worte Sokrates zu. Und ganz andere wiederum meinen, es sei weder von dem Einen noch von dem Anderen und der Satz sei auch nicht korrekt wiedergegeben und damit über die Jahre singentstellt zitiert worden.

Doch wie auch immer: Der Satz birgt Wahrheit.

Wir wissen eigentlich nichts. Unsere Wahrheit ist immer nur unsere Wahrheit und kann niemals die eines anderen sein, so sehr wir mit dem Gegenüber auch darüber streiten, wer von Beiden nun Recht hat und wer nicht. So haben doch immer beide recht und gleichzeitig keiner. Auch ist die Wahrheit immer nur eine Momentaufnahme, die sich von Augenblick zu Augenblick zu Augenblick wandelt. 

Wenn man sich das mal auf der Zunge zergehen lässt, dieser Tatsache die Chance gibt sich in uns auszubreiten und bis zu unserem Herzen vorzudringen, dann wird einem unangenehm klar, wie viele Streits man selbst sinnlos geführt hat und wie viele Kriege in der Welt mindestens ebenso sinnlos geführt werden, bei denen nur der mit der größeren Macht und Ausdauer gewinnt. Aber was ist schon Gewinn in einem Krieg. Im Krieg und im Streit gibt es immer nur Verlierer.

Also Zeit ein wenig Demut walten zu lassen. Egal, wie uns jemand gegenübertritt, lassen wir doch Demut walten, verbinden uns mit unserem Herzen und haben Nachsicht mit dem Menschen, dem dies in diesem Augenblick des Aufeinandertreffen oder Zusammenseins nicht gelingt. 

Demut ist Genügsamkeit mit Tiefe

Demut erdet uns, öffnet uns die Augen, weitet unsere Herzen und ermöglicht Vergebung. Sie lässt uns erkennen, was jetzt ist. Sie unterstützt uns im Leben dabei, die Dinge so anzunehmen, wie sie uns begegnen. Demut entschleunigt, lässt uns sehen, was uns im Stress des Alltags verborgen bleibt und bringt eine Dankbarkeit in uns hervor, die heilsam ist. Sie bringt uns in Kontakt mit dem Augenblick, mit uns selbst und dem, was wirklich ist:

Eine demütige Haltung lässt uns den Windhauch auf unserer Haut spüren, lässt uns das Rascheln der Blätter im Wind hören, das stete Schlagen der Wellen am Ufer, lässt uns sehen, wie sich die Natur mit dem Jahreskreis verändert. Sie lässt uns unseren Gegenüber im Zusammensein wirklich fühlen, öffnet uns für seine Worte und Empfindungen. Sie verleiht uns Empathie und Akzeptanz.

Demut ist die Annahme dessen, was gerade wirklich um uns herum geschieht. Sie lässt unsere Probleme in den Hintergrund treten. Sie führt uns weg von dem, worum unsere Gedanken unaufhörlich Kreisen. 

Damit ist Demut ist damit kein Modell zur Selbstoptimierung, sondern Ausdruck wahrer Größe und Tiefe. 

Demut als besondere Form der Achtsamkeit

Jedoch wäre es vermessen zu glauben, Demut machte unsere Probleme kleiner. Nein, überhaupt nicht. Das ist auch gar nicht ihre Aufgabe. Sie ist nicht dazu da sich hinter ihr zu verstecken und sich mit nichts mehr auseinanderzusetzen. Doch da vieles in unserem Leben aus unserem übererregten und ständig kreisenden Geist resultiert, hilft sie uns, aus dem Hamsterrad unserer sich selbst jagenden Gedanken auszusteigen, die Mono- und Dialoge in unserem Kopf einmal (und sei es nur für wenige Augenblicke) zum Schweigen zu bringen und den Moment so unverstellt zu erleben, wie er sich uns präsentiert. 

Demut hilft uns uns selbst einmal nicht so wichtig zu nehmen. 

4 Tipps für mehr Demut im Alltag

Demütig zu sein ist, wie die Achtsamkeit auch, leicht, überall und jederzeit angewendet. Das kostet weder zusätzliche Zeit noch musst Du an einem bestimmten Ort sein und gar über irgend etwas anderes verfügen als das Bewusstsein darüber, was Demut ist und wie sie Dir helfen kann, genügsamer und annehmender zu werden. Demut funktioniert nur aus uns selbst heraus. 

1. Demut schliesst Dich selbst mit ein

Demut ist keine Einbahnstraße. Hier ist es wie mit der Liebe: Sie schließt uns selbst jeweils mit ein. Das hat zu einem gewissen Maße etwas mit Achtung zu tun (man könnte  an dieser Stelle sicher auch das Wort ‚Respekt‘ benutzen, doch ist das in meinen Augen in meiner eigenen Generation vonseiten Eltern und Erziehern in unserer Kindheit oft mißbräuchlich eingesetzt worden, seither tue ich mich selbst schwer mit dem Wort. Ich bin erzogen mit dem Satz „Hab Respekt diesem und jenem gegenüber!“, „Zeige Deiner Mutter gegenüber Respekt!“, „Das hat etwas mit Respekt zu tun.“ Heute muss ich reflektierend feststellen, dass es dabei oft nur um Macht und dem Brechen des Willens eines Kindes ging, um die Vorstellungen von Erwachsenen durchzusetzen und das Kind so zu manipulieren, dass es tat, was von ihm verlangt wurde. Daher benutze ich lieber den Ausdruck ‚Achtung‘, meint aber letztlich natürlich dasselbe). Achtung zu haben vor sich selbst und anderen Menschen gegenüber. 

Das bedeutet annehmend und genügsam mit sich umzugehen. Sich selbst nicht ständig zu kritisieren (und beobachten wir einmal ernsthaft und achtsam, was in unserem Kopf über den Tag hinweg so alles erdacht wird, werden wir feststellen, dass wir noch lange nicht annehmend mit uns selbst sind, selbst dann oft nicht, wenn wir der Meinung sind, uns selbst gegenüber bereits demütig zu sein) und an uns selbst keine höheren Erwartungen als an andere zu stellen. Ganz im Gegenteil. Sich von seinen Vorstellungen und Erwartungen vollständig zu lösen, weil dies beides Dinge sind, die automatisch und fast schon zielgenau in die Enttäuschung führen (müssen).

Demut

Akzeptiere Dich so wie Du bist. Du kannst nur sein, wer Du bist (denn alle anderen gibt es ja schon bzw. wer solltest Du sonst sein, wenn nicht Du?). Übe Dich in Dankbarkeit dem gegenüber, was Du hast und fokussiere nicht so sehr die Dinge, die sich in Deinen Augen als Mangel erweisen: Nimm also Deine große Nase an wie sie ist, akzeptiere auch Deine Sommersprossen, die paar Kilo zu viel, die Du vermeintlich an Dir wahrnimmst. Sei genügsam mit den Talenten, die Dir das Universum mit in dieses Leben hier gegeben hat und schaue weniger auf das, was andere Menschen um Dich herum können. Jeder hat seine eigenen Stärken. Und natürlich auch „Schwächen“ (die es so kaum zu bezeichnen gilt). Doch sehen wir gern die Stärken der anderen und setzen dieser Sicht unsere eigenen Schwächen gegenüber. Und das ist kein ebenbürtiger Vergleich. 

Sei dankbar für Deinen Körper und was er Dir ermöglicht, sei dankbar für Dein Sein. Du hast bereits alles, was Du brauchst im Leben. Nichts muss weniger oder gar mehr sein. Du bist bereits perfekt, wie umperfekt es auch wirken mag. Es ist niemals anders als perfekt. Und das, obwohl es zu keinem Zeitpunkt Perfektion bedarf.

2. Sich selbst nicht so wichtig nehmen

Dies liest sich nun wahrscheinlich erst einmal eigenartig, da ich noch zwei Zeilen zuvor geschrieben habe, dass wir auch zu uns selbst demütig sein sollen. Und nun sage ich Dir: Nimm Dich, Dein Leben und vor allem auch Deine Probleme nicht so wichtig. 

Natürlich sind wir selbst der wichtigste Mensch in unserem Leben und es geht keineswegs darum in Mutter-Teresa-Gebaren zu verfallen und nur noch anderen Menschen zu dienen. Auch hier ist eine ausgewogene Handhabung essentiell. Achtsam orientiert an den eigenen Bedürfnissen immer im Verhältnis zur Umwelt, sollte eine gute Waage finden lassen zwischen uns selbst und den anderen um uns herum. Was macht das gerade mit mir? Was brauche ich jetzt gerade? Und wie steht mein Bedürfnis zu den Nöten und Wünschen der Anderen? Sollte ich mir jetzt den Vorrang geben oder kann ich mich auch erst einmal zurückstellen und dem Bedürfnis eines anderen Vorrang geben?

Wir sind nicht der Nabel der Welt, auch wenn wir natürlich in unserem eigenen Dasein das Zentrum sind. Doch wie bereits erwähnt immer auch im Spannungsfeld mit anderen Menschen.

Wer auch den dunklen Stunden in seinem Leben einen Sinn abringen kann, verliert die Furcht vor ihnen und kann sie annehmen wie sie sind, ohne vor ihnen davonzulaufen oder sie zu leugnen. So können Dinge an die Oberfläche kommen, die gesehen und angenommen werden wollen, aber wir müssen nicht in ihnen versinken. 

3. Selbstlos und uneigennützig handeln

Wenn wir alle hier nur gemeinsam und gegenseitig voneinander leben können, schließt das ein, dass wir auf der Grundlage von Selbstlosigkeit und Gemeinnutz handeln und agieren sollten. Auch dies bedeutet wieder nicht, dass wir unsere Gaben und Talente nur in den Dienst Anderer stellen. Es bedeutet aber auch, dass wir nicht bei jeder Tat und Handlung eine unmittelbare Gegenleistung erwarten können und sollten. So funktioniert das Universum nicht. 

Wir bekommen zurück, wenn wir geben. Jedoch nicht unmittelbar und nicht 1:1. Der Kosmos ist so viel größer als alles, was unser kleiner menschlicher Geist ermessen kann. Niemals würde sich die Schöpfung etwas kreieren, das so klein gedacht vonstatten geht. Wenn wir Person A etwas geben, sei das materiell oder auch eher von ideellem Wert, gibt dieser Person C etwas und nach einer Kette von Handlungen bekommen wir irgendwann von Person Y etwas zurück. Sei es im Sinne von Unterstützung, sei es, weil wir einen Geldschein irgendwo spontan und unerwartet finden oder weil uns nur mal im richtigen Moment jemand zuhört, wenn wir es dringend brauchen und uns ein Mensch eine heilsame Umarmung schenkt. 

Wir machen also niemals etwas falsch, wenn wir geben. Und es ist nicht richtig zu glauben, wir bekämen nie etwas zurück. 

Sollte dieser Eindruck tatsächlich aufkommen, gilt es seine Sicht auf die Dinge zu überprüfen. Vielleicht ist dann die Wahrnehmung der kleinen Dinge noch nicht fein genug. Und man sollte hinterfragen, ob man wirklich von Herzen gibt, wenn man gibt. Oder ob man es vielleicht gar nur auf Pflichtgefühl heraus tut und die Handlung selbst von Unbehagen begleitet ist. 

4. Schätze die Natur

All die vorangegangenen Punkte münden nun mehr oder weniger darin das zu schätzen, was sich um uns herum befindet. Demütig unseren Mitmenschen zu begegnen genauso wie auch der Natur. 

Die Natur ist unsere Heimat. Wir leben darin, auch wenn uns Betonbauten darauf oftmals den Blick verstellen und wir uns ihrer nicht mehr so bewusst sind bzw. explizit „extra raus in die Natur“ fahren müssen, um Erholung und Ruhe zu finden.

Auch unsere von Menschenhand geschaffene Kultur sind nur kleine Inseln inmitten dessen, was die Natur als allumfassender Planet für uns bereithält. Sie gibt und gibt und gibt. Niemals wird sie dessen müde: Sie ernährt uns, spendet uns Wasser und Sonne, Früchte und Gemüse. Sie erfreut unser Auge mit prächtigen Farben, die aber niemals unser Auge belästigen, bezirzt uns mit wohlriechenden Düften und schenkt uns die vielen Wälder, die zusätzlich unserer Gesundheit dienen.

Die Natur ist eine gute Lehrmeisterin. Sie ist die Königin der Demut. Egal, was sie Prächtiges hervorbringt, niemals würde sie sich eitel geben oder gar hochmütig werden. Aber sie lehrt uns, dass wir schätzen müssen, was da ist, dass wir ihr mit Achtung begegnen sollten, sonst ist vergänglich, was sie zu bieten hat. 

Wir brauchen nur aufmerksam zu schauen und zu lernen. Dann ist uns alles gegeben, was wir brauchen.

Und es kann doch so einfach sein.. 

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