Bergwandern

Bergwandern als intensive Art der Gehmeditation

Gehmeditation ist eine großartige Alternative zur Sitzmeditation. Sie ist eine wunderbare Ausdehnung der sitzenden Meditationserfahrungen in den gehenden Zustand. Am Anfang für sich selbst auf wenigen Quadratmetern geübt, um den achtsamen Fokus auch auf den gehenden Zustand auszudehnen und in die Füße und die Körperbewegung zu verlagern, kann man sie relativ schnell überall praktizieren, wo man unterwegs ist und sie damit auch in den Alltag transportieren. Denn bei genauer Betrachtung wird einem schnell klar, dass wir viel Zeit unseres Tages damit zubringen, von einem Ort zum anderen zu kommen. Und das meistens gehend. Sei es eine Treppe hinauf, sei es daheim von einem Zimmer in ein anderes Zimmer oder eben auch, wenn wir das Haus verlassen und beispielsweise zur Arbeit gehen, Einkäufe erledigen, spazieren gehen oder den Hund Gassi führen. 

Meditation vom Kissen hinaus in die Welt

Mit der Gehmeditation können wir unsere Meditationspraxis vom Kissen mit hinaus in die Welt tragen. Denn Meditation ist nur die halbe Miete, wenn sie ausschließlich nur auf dem Kissen im stillen Kämmerlein funktioniert. Im Gehen zu meditieren, richtet uns nochmal ganz neu aus und bringt die eigene Achtsamkeit in alltäglichen Dingen mächtig voran und lässt sich dann beinahe mit behänder Leichtigkeit auch auf alle anderen Dinge ausweiten, die wir so täglich tun, während wir in Bewegung sind. Denn Meditation ist schließlich nicht nur, im kreuzbeinigen Sitz mit geschlossenen Augen und gehaltenen Mudras in einem stillen Raum auf einem Kissen zu sitzen. Das ist der Anfang, um sich mit sich und seinen eigenen Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen vertraut zu machen und ist, in regelmäßiger, jahrelanger Praxis immer auch wieder intensive Zeit des Wahrnehmens und Erlebens seiner selbst, doch wollen wir ja eine größtmögliche Achtsamkeit in unserem Leben erreichen und dazu stellt die Meditation in Bewegung eine gute Brücke dar.

Berge als Lehrmeister und Guru

Ich war nun kürzlich für einige Zeit in den Alpen unterwegs und wurde dort beim Bergwandern völlig, von mir unerwartet, auf mich selbst zurückgeworfen. Ohne es von mir vorrangig beabsichtigt zu haben, wurde das Bergwandern zu einem intensiven meditativen Erlebnis für mich und ich erkannte meine eigenen Erlebnisse und Erkenntnisse dabei wieder aus vielen Dokumentationen, Büchern und Berichten von Bergsteigern und Pilgern. 

Man läuft los und nach einer kurzen Weile, vor allem mit zunehmender Anstrengung durch die immense Steigung am Hang, fokussiert sich der Verstand fast völlig von allein. Anfangs fluchte es in meinem Kopf lautstark vor sich hin, der Atem ging schnell, flach und hechelnd, weil ich mit zu viel Tempo in den Aufstieg hineingegangen bin und ich mich dabei auch noch mit meiner Begleitung unterhalten habe. Mit andauernder Anstrengung beim Aufstieg reduzierten sich unsere Gespräche schnell von ganz alleine, und plötzlich war ich nur noch mit mir selbst. 

Der Verstand steht still

Es ist als würde sich die Achtsamkeit von alleine herstellen, der Verstand ganz von selbst zentrieren und sein Geplapper einstellen. Selbst wenn man zu zweit oder als Gruppe wandert, ist man dennoch mit sich allein. Die Gruppe zerstreut sich, jeder hat ein anderes Tempo und Worte sind irgendwann nutz– und wertlos. 

Die eigene Wahrnehmung nimmt mit der Anstrengung zu. Und obwohl sie breit gestreut ist, ist sie gleichzeitig fokussiert und einpünktig. Der Atem leitet Dich an, begleitet in seinem eigenen Rhythmus Deine Schritte, seine Frequenz ist eine gute Orientierung für das eigene Tempo. 

Wandern in Verbundenheit mit der Erde

Ich bin dieses Jahr ausschließlich in meinen Barfussschuhen gewandert, was für mich die  beste Alternative zu den doch recht globigen und unempfindlichen Wanderschuhen darstellt. Daher verstärkte sich vielleicht der Fokus auf die Füße auch noch einmal zusätzlich. 

Es zählt immer nur der vor mir liegende nächste zu bewältigende Schritt. Das große Ganze als Ziel war plötzlich nicht mehr der Gipfel, sondern nur noch das, was gerade eben, in diesem Augenblick, anstand. Schritt für Schritt für Schritt.

Egal, wie weit der Gipfel noch entfernt war

Ab und an hält man unterwegs natürlich an, richtet sich mal auf, lässt für einen Moment den Atem ruhiger werden und blickt hinab ins Tal, schaut sich an, welche Strecke man höhenmäßig bereits bewältigt hat und wie die Aussicht und der Weitblick mit jedem gewonnenen Höhenmeter immer faszinierender wird. 

Ist man solche Ausblicke, wie ich als Großstadtmensch im Flachland, nicht täglich gewöhnt, sorgen allein diese schon dafür, dass man absolut ins Hier und Jetzt kommt und sich staunende Bewunderung für so viel und so einzigartige Natur dort breit macht, wo Worte kaum mehr Bedeutung haben. 

Ich bin diesmal extrem viel gewandert. Immer wieder zieht es mich nach oben, am besten bis ganz hinauf. Ich liebe die windigen Höhen und es sind für mich immer wieder ganz besondere und einzigartige Momente auf einem Bergkamm oder Gipfel zu stehen, und ich rundherum freien Blick habe, ich das Gefühl habe, am höchsten Punkt zu stehen.

Natürlich weiß ich, dass es durchaus noch viel, viel höhere Berge gibt, aber für den Moment da oben sind dann in den österreichischen Alpen knappe 3000m für mich das absolute Höhenerlebnis. Dazu muss ich gestehen, dass ich ja nicht einmal besonders sportlich bin geschweige denn extremsportliche Ambitionen hätte.

Finde Deinen eigenen Berg

Zum Glück musst Du nicht sportlich sein, um die Kraft und Weisheit der Berge zu erfahren. Du musst lediglich offen sein und der Natur lauschen. Sie spricht mit Dir, ob Du es willst oder nicht. Egal, auf welche Art Du ihr begegnest, sie wird Dir immer das offenbaren, was Du gerade brauchst und was für Dich gerade dran ist.

Jedoch muss es für Dich nicht einmal zwingend das Bergwandern sein. Das war es nun für mich. Es traf mich unvorbereitet, aber ich war bereit zuzuhören und achtsam zu lauschen. Schau, was es für Dich ist. Manche Menschen gehen joggen, andere erleben diesen Zustand beim Radfahren, wieder andere finden sich selbst beim Klettern. Lass Dich leiten von Deinem höheren Selbst, lass Dich ein und probiere Dich aus.

♥ Ich wünsche Dir viel Freude auf Deinem Weg zu Dir selbst. ♥

 

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