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Rechtfertigung

Das Ende der Rechtfertigungen

Wir werfen mit Rechtfertigungen nur so um uns. Denn eigentlich rechtfertigen wir uns ständig und für alles. Sogar dafür, warum wir denken, wie wir denken, warum wir handeln, wie wir handeln und dass wir sind, wie wir sind. Ja, wir rechtfertigen uns gar für uns selbst. Wir leiden flächendeckend an chronischer Rechtfertigeritis. 

Aber keine Sorge. Diese Diagnose ist keine Endgültige. Tatsächlich gibt es Mittelchen, um dem entgegenzuwirken. 

***

Ich spreche.. 

Und schwups, da war es wieder. Ich rechtfertige mich. Es klingt nach einer Entschuldigung. Wofür, das ist mir in dem Augenblick des Redeflusses selbst nicht ganz klar. 

Es passiert automatisch. Da braucht es vom Gegenüber noch nicht einmal eine mich verunsichernde Reaktion. In meinem Redeschwung liefere ich die Rechtfertigung ohne eine Nachfrage gleich mit. 

Selbst für banale und unbedeutende Vorgänge und Dinge rechtfertige ich mich. Als müsse ich mich grundlegend dafür entschuldigen und rechtfertigen, dass ich bin. 

Da wird viel geredet und nichts gesagt. Ich erkläre mich für meine Entscheidungen, mein Handeln. Sogar für meine Gedanken, Gefühle und Meinung. 

Wie oft spreche ich Dinge aus und schon bin ich wieder mitten in der Rechtfertigung. Die Übergänge sind da fließend, die Grenzen verschwimmen. 

Rechtfertigung als Ausdruck von Unsicherheit und mangelnder Selbstakzeptanz

Wir benutzen Rechtfertigungen, wenn wir Sicherheit, Konsequenz und Stärke ausdrücken wollen. Wir wollen dem Gegenüber damit zeigen, dass wir wissen, was wir tun und wir nicht unreflektiert handeln und entscheiden, doch eigentlich erreichen wir damit genau das Gegenteil. Gerade unsere Rechtfertigung ist der wortgewordene Ausdruck unserer Unsicherheit. Wir wollen, dass unser Gesprächspartner unsere Beweggründe versteht, erhoffen uns vielleicht sogar Verständnis und Bestätigung.

Wenn wir uns rechtfertigen, machen wir uns kleiner als wir sind und stehen nicht zu dem, was wir denken, fühlen und tun. Und damit stehen wir auch nicht zu uns selbst. Wenn wir von Selbstliebe und Selbstmitgefühl sprechen, ist auch ein wesentlicher Aspekt davon uns selbst anzunehmen und auch vor anderen Menschen dazu zu stehen, dass wir kein anderer sein können als der, der wir tatsächlich sind. 

Rechtfertigen wir uns jedoch, versuchen wir unserem Gegenüber zu begründen, warum wir glauben das Recht zu haben, so zu handeln, zu denken oder zu entscheiden. 

Rechtfertigung

Natürlich stimmt das. Wir haben dieses Recht, nur müssen wir ernsthaft lernen, diese Verantwortung für uns wieder mehr selbst zu übernehmen. Wir sind erwachsen. Wir tun und entscheiden, was wir tun und entscheiden aus Gründen heraus, die vielleicht nur uns selbst klar sind. Doch in den meisten Fällen fordert niemand von uns eine Erklärung. Nur die Entscheidung an sich zählt, denn diese kann auch Auswirkungen auf andere Menschen haben, die dann wiederum danach handeln müssen, wie wir zuvor gehandelt oder entschieden haben. Die Gründe, die zu unserem Tun oder unserer Entscheidung geführt haben, spielen dann meistens keine Rolle mehr. 

Angst vor Ablehnung und Konsequenzen

Wir alle entscheiden nur aus unserer subjektiven Sicht auf die Dinge heraus. Und diese ist geprägt von unseren ganz individuellen Werten, Normen und Vorstellungen. Immer müssen wir uns für oder gegen etwas entscheiden und wir sind von unserem Standpunkt überzeugt bis etwas eintritt, dass unsere Sicht auf die Dinge verändert oder wir auf Widerstand oder Konflikte stoßen. 

Damit hat jede Entscheidung auch einen Preis. Und die Frage ist immer: Bin ich bereit diesen zu zahlen?

Die Liste der Gründe für Rechtfertigungen ist lang

Wenn wir uns zwischen unserem alten und einem neuen Job entscheiden, wägen wir im Prozess der Entscheidungsfindung ab, ob uns die Bedingungen im neuen Arbeitsumfeld zuträglich wären und ob unser Wechseln an genau der richtigen Stelle für uns einen Zugewinn darstellt. Da jedoch immer alles seine Vor- als auch seine Nachteile hat, haben wir immer unterschwellig die Befürchtung uns falsch zu entscheiden und dann etwas zu bereuen. Genauso haben wir Angst vor der Ablehnung anderer Menschen, die mit unserer Entscheidung einhergeht. Was sagen meine jetzigen Kollegen dazu, wenn ich mich für einen Arbeitsplatzwechsel entscheide? Bleiben unsere freundschaftlichen Kontakte dann dennoch bestehen oder nimmt jemand persönlich, dass ich mich anderweitig umgesehen habe?

Was ist, wenn ich zwar in einer Partnerschaft lebe, aber mal allein in den Urlaub fahren möchte. Nicht einmal, weil der andere mich nervt, sondern weil ich die Erfahrung des Alleinreisens machen möchte. Weil ich mich ausprobieren möchte und es für mich eine Herausforderung darstellt. Was wird mein Partner dazu sagen? Wird er verletzt sein durch meine Entscheidung? 

Was ist, wenn ich mich für eine reine Mütterkur entscheide und damit alleine eine Reha-Maßnahme in Anspruch nehme? Wie wirkt das auf die Menschen in meinem Umfeld, wenn ich zur Kur bewusst ohne mein Kind fahre? 

Warum habe ich mich heute nicht geschminkt und bin im Schlabber-Look unterwegs? Warum gehe ich nicht zum Sport? Warum koche ich heute nicht für meine Familie? Warum möchte ich meinen Sonntag mal im Bett verbringen? Warum möchte ich mir ein neues Buch kaufen, obwohl ich noch eines ungelesen daheim liegen habe? Warum möchte ich keinen Alkohol trinken? Warum esse ich kein Fleisch? 

Die Liste der Dinge, für die wir uns rechtfertigen, ist individuell und endlos lang. Kein Thema bleibt verschont. 

Die Suche nach Bestätigung 

Unsichere Menschen rechtfertigen sich, weil sie Verständnis für ihr Tun suchen und diese Bestätigung von außen brauchen. 

Nur wenn wir zu dem, was wir machen und entscheiden stehen, hört die ewige Rechtfertigungsmaschinerie endlich auf. Denn selbstsichere Menschen rechtfertigen sich wesentlich weniger. Sie begründen, aber sie rechtfertigen sich nicht. 

Auf die eigene innere Stärke setzen

Wenn wir selbst in der Lage sind, uns diese Bestätigung und das Verständnis entgegen zu bringen, brauchen wir sie nicht mehr von anderen. Und dann sind im Umkehrschluss auch keine Rechtfertigungen mehr nötig. 

Wir sind alles, was wir sein wollen und was wir sein können. In uns ist alles da, was wir brauchen. Wir müssen keinen Ticken weniger sein und kein Gramm mehr. Alles ist richtig. Wir sind so einzigartig und individuell, wie das Universum jedes Lebewesen, jede Pflanze und jeden Gegenstand hervorgebracht hat. Wir können nur zu uns stehen und vielleicht auch annehmen, was wir nicht mögen an uns. Wir dürfen sogar akzeptieren, dass wir es nicht zwingend mögen müssen, ohne es gänzlich abzulehnen. 

Und was die Menschen um uns herum betrifft:

Wir müssen niemandem in unserem Umfeld Gründe dafür liefern uns zu mögen. Erst recht nicht über Rechtfertigungen, warum wir tun, was wir tun. Entweder sie mögen uns so wie wir sind, mit all unseren Werten, Meinungen und Entscheidungen. Oder eben nicht. 

Und mögen und akzeptieren uns Menschen so nicht, dann sind es keine Freunde. Dann werten aber auch unsere Rechtfertigungen diesen Kontakt nicht auf. Das bedeutet nicht, dass nur die Menschen unsere Freunde sind, die uns zum Mund reden und alles gut finden, was wir tun. Aber sie akzeptieren unsere Entscheidungen, auch wenn sie selbst es vielleicht anders gemacht hätten.

Wie Du den Rechtfertigungsmodus ausstellst

Rechtfertigeritis ist heilbar. Und man muss dazu nicht einmal etwas einnehmen, es gibt keinerlei unerwünschter Nebenwirkungen:

Sei achtsam und schau einmal genau hin, in welchen Situationen und bei welchem Personen Du Dich besonders zu Rechtfertigungen angehalten siehst.

Stehe zu Deinen Werten. Du hast sie doch sowieso, auch wenn diese natürlich nicht in Stein gemeißelt sind und sich mit der Zeit auch wandeln. Aber sie sind da und sie bestimmen Dein Empfinden und Deine Sicht auf die Dinge, und damit letztlich auch Dein Handeln. Das hat auch mit Authentizität zu tun. Also steh auch zu Dir und dem, was Du tust. Und wenn Du aus tiefer Überzeugung aus diesen Werten heraus handelst, werden Deine Entscheidungen auch immer richtig sein – für den Augenblick, in dem Du etwas tust (hier sei außen vorgelassen, dass sich unser Denken und Fühlen im Laufe der  Zeit verändert und dass sich damit beispielsweise auch unser Blick auf vergangene Handlungen und Entscheidungen verändert und wir dann später nicht mehr so sehr von der Richtigkeit dessen überzeugt sind bzw. zu einem anderen Zeitpunkt in einem anderen Kontext auch anders gehandelt oder entschieden hätten). 

Wenn jemand die Beweggründe für etwas wissen möchte, das Du getan hast, kannst Du Dein Handeln gern begründen. Dann lege die Gründe, die Dich dazu bewogen haben klar und sachlich dar, ohne in Rechtfertigungen abzurutschen. 

Akzeptiere Dich also wie Du bist und steh zu dem, was Du tust. 

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