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Konzepte

Warum Du Deine Konzepte irgendwann einfach loslassen darfst

Laut Duden ist ein Konzept ein klar umrissener Plan, ein Programm für ein Vorhaben, ein Ideal, das wir uns vorstellen. Davon gibt es im Leben abertausende. Und auch jeder Mensch trägt unzählige davon in sich.

Auch Kinder haben Konzepte

Es gibt kleine, wenig komplizierte Konzepte, die sich schon in der Kindheit bilden, noch sehr einfach in ihrer Struktur sind und ganz oft all die Kindlichkeit widerspiegelt, das im kindlichen Denken zu diesem Zeitpunkt ganz natürlich so angelegt ist. Sie spiegelt die kindliche Sicht auf das Leben wider. Das ganze kindliche Verständnis der Welt und all der Zusammenhänge im Universum. Und es gibt vielschichtigere und tiefere Konzepte, die oft einen Ursprung in der Jugend haben und sich im Erwachsenenalter weiter ausdifferenzieren, verändern, aber nicht immer auf ihre Sinnhaftigkeit für uns selbst hinterfragt werden. Sie werden zur Gewohnheit, zum Lebensinhalt, und das reicht schon aus, um sie als gegeben hinzunehmen, daran festzuhalten und weiter auszuleben.

Konzepte als Unterstützung bei der eigenen Sinnsuche

Jugendliche suchen bewusst Konzepte, weil sie sich abgrenzen wollen von anderen, oft ganz konkret natürlich auch vom Elternhaus. Konzepte nehmen hier dann an Tragweite und Komplexität zu. Jugendliche hinterfragen das Leben ganz neu, hinterfragen sich selbst, ihre Herkunft, ihr genetisches Erbe, ihre familiäre Herkunft, sehen sich selbst plötzlich im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und den eigenen Bedürfnissen und Meinungen. Sie suchen einen Standpunkt, von dem aus sie das Leben betrachten können. Sie fühlen sich oft losgelöst, ziellos, „freischwebend“. Zum Elternhaus wollen sie so nicht mehr gehören (was nicht bedeuten soll, dass sie ihre Eltern nicht trotzdem lieben), haben aber auf der anderen Seite ganz oft (noch) nichts, was sie auffängt und ins Leben mitnimmt.

Konzepte dienen da ins als Leitlinie, zur Unterstützung und bringen uns dazu uns mit einem Sachverhalt näher zu beschäftigen. Es verrät auch immer, dass wir auf der Suche nach etwas sind, dass wir in unserem Leben etwas optimieren wollen, etwas, das uns eine Richtung und Halt gibt. Wie ein Leitfaden, an dem wir uns entlang hangeln können.

Man findet Konzepte in allen Bereich des Lebens. Große Konzepte wie Religionen, ebenso aber auch kleinere Konstrukte wie beispielsweise Ernährungsformen, Fitnessgewohnheiten, Subkulturen, eine politische Einstellung, Erziehungsstile, Philosophien und Lebensweisheiten, die aber nicht weniger stark oder leidenschaftlich ausgelebt werden. Auch eine Ernährungsform wird da zur Religion. Und ich weiß genau, wovon ich da rede.

Konzepte als Teil der eigenen Identität

Wenn ich das heute so schreibe, fällt mir auf, dass ich genau solch ein Teenager war. Und wie ich an meinem Freundeskreis sehen konnte, war ich nicht der einzige Teenie, der sich so fühlte und, was auch immer, suchte.

Ich zog mit knapp 19 Jahren von Zuhause aus. Eher streng erzogen, hatte ich noch nicht viel erlebt bis dahin. Kaum kannte ich die anderen Stadtteile meiner eigenen Stadt. Mit meinem Auszug aus meinem Elternhaus tat sich ein Leben vor mir auf, dessen Weite mich plötzlich überforderte. Volljährig sein, für sich selbst einstehen, die eigenen Bedürfnisse nach eigenem Ermessen und Gutdünken erfüllen, seine eigenen Grenzen neu stecken, ausloten und auf eigene Gefahr übertreten. Ausschlafen, solange man will und damit leben, dass der Tag zur Not kürzer ist dadurch. Ebenso das Gegenteil: Nachts ewig unterwegs sein, am nächsten Tag früh raus müssen und den ganzen Tag durchzuhängen wie ein nasser Waschlappen. Abwasch produzieren und stehen lassen, bis man einsehen muss, doch abwaschen zu müssen, wenn kein Geld vorhanden ist, neues Geschirr und Besteck zu kaufen (und damals war gefühlt für nichts Geld da, ich weiß heute nicht mehr, wovon ich damals eigentlich gelebt habe!). Aus Spargründen Weiß- und Buntwäsche in eine Maschine werfen und zur Not mit verfärbten Klamotten rumlaufen müssen. Solange von Pasta mit Tomatensoße leben bis man schon beim Kauf der nächsten Nudelpackung bricht, weil es einem aus dem Halse hängt und man somit gezwungen wird sich doch einmal mit Rezepten auseinanderzusetzen.

Auf der Suche nach mir selbst

Ein paar Monate tingelte ich so durch mein Leben. Dann plötzlich begegnete mir der Mann, der in mir und meinem Leben alles veränderte. Ich hatte auch vorher schon Partnerschaften gehabt, doch war das nicht vergleichbar. Ich lernte die Liebe völlig neu kennen, und damit natürlich auch mich. Durch ihn kam ich zum Straight-Edge-Lifestyle, einem Leben ohne Drogen und Alkohol. Dabei war ich selbst nie ein exzessiver Mensch. Natürlich gab es die üblichen Experimente, denen sich Jugendliche dann so hingeben, wenn sie alt genug dazu sind, solche Dinge auszuprobieren. Doch Freude hatte ich an nichts davon wirklich gefunden. Die Wirkung von Alkohol war mir zuwider. Das Gefühl auf Eiern zu laufen, nicht mehr Herr über mein Hirn zu sein. Und Rauchen war mir zu affektiert, stank bestialisch und selbst nach mehrmaligen Zähneputzen war der Geschmack in meinem Mund noch vorhanden, hatte sich regelrecht in meine Mundschleimhaut eingefressen, was mich zu der Annahme brachte, dass es nun „rauswachsen“ müsse. Auch waren mir Leute in Rauschzuständen zuwider. Sie hatten sich nicht im Griff, wussten nicht, was sie sagten oder taten und waren generell irgendwie völlig entfremdet. Kam es total schlimm, blamierten sie einen selbst gleich noch mit, obwohl man mit der Sache an sich nichts zu tun hatte. Noch bevor ich 18 war, war mir klar, dass es das für mich zu vermeiden gilt. Da kam mir ein Mann, mit solch einem Lebensstil gerade recht.

Straight Edge zu sein, hieß für uns im weiteren Sinne damals auch, das Recht anderer Lebewesen auf ein eigenes Leben zu unterstützen. Also kam auch nichts mehr auf den Teller, wofür ein Tier sein Leben lassen musste, damit wir etwas essen konnten. Und so wurde ich Vegetarier.

Wir waren ständig unterwegs, gingen zu vielen Konzerten, trugen unsere Lebenseinstellung auf T-Shirts, Buttons und Aufnähern stolz vor uns her. Musik und Gemeinschaft war unser Leben. Wir kleideten uns entsprechend, unterhielten uns themenspezifisch und lebten uns selbst. Ich hatte plötzlich eine Familie, die weit über meinen Freund hinausging. Ich war ein Teil von etwas. Hier waren Menschen mit ähnlichen Interessen und Vorstellungen. Und klar, man pushte sich gegenseitig, tauschte Rezepte und Musik aus, kochte zusammen, fuhr gemeinsam zu Konzerten. Ich war kein losgelöstes Teilchen mehr, sondern war (erstmal) angekommen. Hier durfte ich sein, wie ich war. Zumindest eine zeitlang. Wie in jeder Bewegung stellt man irgendwann fest, dass sich Sichtweisen verhärten, wenn die Mitglieder von Gemeinschaften nicht reflektiert sind und sich eine tolerante und offene Sichtweise erhalten und es Zeit wird weiterzuziehen, wenn das, was man dort lebt, nicht mehr mit den eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen kongruent ist.

20 Jahre später

Heute, 20 Jahre später, lebe ich noch immer straight edge. Daran hat sich grundsätzlich nichts geändert. Nur sieht man mir das heute so auf den ersten Blick wohl weniger an. Ich halte nach wie vor nichts von Drogen und Alkohol. Noch weit weniger, seit ich weiß, wie sehr es unserem Körper im Detail wirklich schadet. Wie sehr die Menschen damit, neben Streß und normalen Umweltgiften ihren Körper völlig willentlich selbst ruinieren können. Das hat in meinen Augen nichts mit Leben und Spaß haben zu tun. Ich lebe so, ohne dass ich den Begriff heute noch dafür benutze. Fragte mich jemand, lehne ich ab und antworte, ich trinke keinen Alkohol. Und nein, ich habe auch kein Feuerzeug einstecken, ich bin Nichtraucher. Fertig.

Auch bin ich noch immer Vegetarier. Ich habe in diesen 20 Jahren viel gelesen. Viel Für und Wider, was den Verzicht von Fleisch angeht. Viel Für und Wider, was den Verzehr von Milchprodukten angeht. Ich habe zwischendurch eine zeitlang streng vegan gelebt, um auch diese Seite zu erfahren. Um zu schauen, was sich dann noch einmal ändert, wenn man schon so viele Jahre vegetarisch gelebt hat und ich sowieso viele meiner Rezepte rein vegan koche. Und es war eine wirklich ganz neue Erfahrung, hat mich noch einmal enorm sensibilisiert. wie viel Milcherzeugnisse in all unseren Lebensmitteln stecken. Und wie man sein Denken über die Natur verändert.

Generell habe ich auf dem ganzen Gebiet der Ernährung ganz viel ausprobiert, habe das ganze Spektrum der fleischlosen Ernährungsformen ausgelotet: Vegan, Vegetarisch, Rohkost, Clean Eating, Low Carb. Zum Teil sind die Übergänge fließend, zum Teil kann man die Stile mixen. Die Grenzen verwischen und irgendwann hat es keinen Namen mehr, braucht es auch keinen Namen mehr.

Die Auflösung der Konzepte

Irgendwann stellte ich fest, dass ich all das grundsätzlich alles noch so lebe. Doch weder trage ich es sichtlich vor mir her noch „werbe“ ich damit oder versuche gar jemanden zu „missionieren“, der nicht auf mich zukommt und eine  konkrete Fragen zu etwas hat, was mit einem gewissen Ansatz zu tun hat . Auch würde ich heute kaum mehr sagen, ich bin das eine oder das andere.

Ich habe viel gelesen, viele Erfahrungen gemacht, viel ausprobiert, rumexperimentiert und mir aus all dem ein großes Ganzes zusammengesammelt. Ein wildes Potpourri der Dinge, die mir am meisten geholfen und etwas gebracht haben, die sich für mich als praktikabel und gut umsetzbar erwiesen haben. Ich habe es zurechtgerückt und zurechtgestutzt, damit es am Ende für mich und meine Vorstellungen passt. Nun brauche ich keinen Plan mehr verfolgen, den es irgendwie einzuhalten gilt. Ich habe alles ausgelotet, mich mit dem Für und Wider auseinandergesetzt und nun darf ich mich selbst an jedem Tag neu erfinden und neu definieren, so das nötig ist. Es braucht keinen Namen mehr, keinen Titel, keine Regeln.

Das soll nun jedoch nicht heißen, dass ich nicht auch weiterhin offen bin für Neues. Weit gefehlt. Dahingehend ist mein Wissensdurst unerschöpflich. Viele Dinge probiere ich dann tatsächlich im ersten Anlauf auch in seiner „Reinform“ aus, um mir die Wirkungsweise der betroffenen Sache wirklich auch zuzusichern, dann aber entnehme ich der Sache, was für mich persönlich stimmig ist und integriere es als weiteres Puzzle-Teilchen in mein Leben, verwerfe es völlig, wenn es sich dann doch nicht bewährt oder tausche Elemente nach Belieben auch einfach aus.

Lass los, was Dich begrenzt

Fühle Dich also frei. Du musst nach nichts Bestimmtem leben. Geisel Dich nicht mit Dingen, die es Dir schwer machen im Leben. Begrenze Dich nicht selbst. Hole tief Luft und dehne Dich aus. Leg ab, was Du nicht mehr brauchst. Nimm nichts hin, weil Andere Dir sagen, dass Du es genauso und nicht anders brauchst. Sieh nichts als Gesetz an und mach Dir Dein eigenes Konzept, von dem Du weißt, dass es Dir zuträglich ist und Du es jederzeit zugunsten Deiner eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen ändern kannst.

♥ Leg Deine Ketten ab und fühle Dich frei, nach Deinen eigenen Vorstellungen zu leben. ♥

 

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