Warum Du auch ungeschminkt wunderschön bist

Dieser Artikel ist für mich ein ganz persönlicher. Ein Thema, das mich seit Teenager-Tagen begleitet und für mich auch heute noch nicht immer ganz leicht ist, auch wenn ich mir heute weitaus bewusster über die Hintergründe bin und sofort merke, wenn alte Glaubensmuster einsetzen und mich daran hindern, so zu sein, wie ich gerne würde.

Eine Geschichte aus Angst & Selbstzweifeln

Ich bin mit sehr hellblonden Haaren gesegnet. Mein Blond hat einen goldigen Ton, das in der Sonne wunderschön glänzt. Ebenso blond sind jedoch auch meine Augenbrauen und Wimpern. Und zwar so blond, dass man sie im ungeschminkten Zustand kaum wahrnimmt. Dazu kommt mein zu meiner Haarfarbe passender sehr heller Teint, der um die Augen herum schnell auch mal etwas rosé wirkt, mit zarten, wild im Gesicht verteilten Sommersprossen.

Damit gehöre ich wohl inzwischen einer Minderheit an, denn ich bin, Schätzungen zufolge, ein blondes Exemplar von insgesamt 2% der Gesamtbevölkerung auf unserem Planeten. Die meisten Menschen mit diesen optischen Besonderheiten leben in Europa und Skandinavien. Man hört oder liest des Öfteren davon, dass wahre Blondinen quasi vom Aussterben bedroht sind. Blonde Frauen stehen auf brünette Männer, genauso wie anders herum, und so „verwäscht“ sich das Blonde genetisch immer mehr und mehr. Die Menschheit dunkelt nach.

Das hat für die wenigen Blondinen zur Folge, dass sie auffallen und auch nicht (mehr) den gängigen Schönheitsidealen entsprechen. Ich weiß, wer will schon Schönheitsidealen entsprechen?! Es soll hier nicht Thema sein, was einem Ideal entspricht, das irgendwer mal irgendwann festgelegt hat. (Wer nimmt sich überhaupt das Recht heraus, so etwas festzulegen. Ist doch jeder Mensch genau so schön, wie er eben ist!)

Ich komme mir schnell vor wie eine weiße Leinwand, die jemand vergessen hat zu bemalen. Ich werde angestarrt. Nicht selten treffen mich gar mitleidige Blicke als wäre ich ernsthaft krank oder hätte schwerwiegende Behandlungen hinter mir. Manche Leute fragen mich auch, ob es mir gut gehe, ob ich genug frische Luft bekomme und ausreichend esse, ich sei ja schließlich so blass. Auch haben mir Leute schon geraten, die Sonnenbank zu besuchen, um überhaupt erst einmal einen etwas „gesünderen“ Teint zu bekommen. Dabei mag es, was die Hautfarbe selbst angeht, in meinem Gesicht noch gehen, meinen Sommersprossen sei dank. Sie sind bei mir nicht auffällig ausgeprägt, reichen aber aus, um sie wahrzunehmen und mir überhaupt etwas Farbe zu verleihen (wenn auch unwesentlich). Schlimmer ist da beispielsweise die blasse Haut an meinen Beinen. Dort wirkt es neben anderen blassen Menschen schon beinahe wie totes Gewebe. Und egal, wie ein Sommer in unseren deutschen Breitengraden ausfällt, es reicht nie aus, um überhaupt auch nur ein Fitzelchen Farbe zu bekommen. Bin ich wirklich einmal unachtsam und setze ich mich der Sonne aus, werden die betroffenen Stellen umgehend rot und schmerzen mehrere Tage.

Ich fing mit etwa 14 Jahren an mich zu schminken. Anfangs nur mit Mascara. Als ich 19 wurde und wilde, punkige Zeiten erlebte, legte ich auch Lidstrich, Lidschatten (sogar in für meinen blassen Teint unerträglich grellen und auffälligen Farben wie rot und schwarz) und Augenbrauenstift auf. Dies führte dazu, dass der Unterschied zum ungeschminkten Zustand sehr gravierend wurde. Alle kannten mich nur „angemalt“. Ich war viel unterwegs, schminkte mich also quasi immer. Selbst wenn ich nicht zwingend etwas vorhatte, legte ich Make up auf, um dann nicht ungeschminkt dazustehen oder in Stress zu geraten, wenn jemand spontan vorbeikommen wollte. Ja, ich schämte mich für mein natürliches Aussehen und ging nicht einmal ungeschminkt im Haus die Treppe hinunter bis zum Briefkasten.

Ich schämte mich nicht nur für mein Naturell, ich beneidete auch ganz arg all die brünetten Frauen, die es ja in meinen Augen so leicht haben mit sich und ihrem Aussehen. Es reicht für sie aus, sich morgens das Gesicht zu waschen, die Zähne zu putzen, Haare zu kämmen und schon können sie aus dem Haus gehen. Wimpern und Augenbrauen mögen auch bei ihnen vielleicht nicht perfekt und relativ hell sein, doch man nimmt sie zumindest wahr. Ich beneidete sie um ihre natürliche Schönheit, um ihre Ungeschminktheit und all die Vorteile, die das in meinen Augen hat: sie brauchen morgens weniger Zeit im Bad, müssen sich nicht schon Farbe auf die Augen schmieren, bevor sie diese morgens überhaupt richtig aufbekommen, müssen nicht den ganzen Tag darauf achten, dass nichts verwischt, dass sie nicht in den Regen kommen, sie können sich zu jeder Zeit, wenn ihnen danach ist, die Augen reiben (wie umständlich es ist, das nicht jederzeit tun zu können, weiß man erst, wenn man wirklich mal einen Tag geschminkt zugebracht hat) und.. und.. und..

In den letzten Jahren habe ich ausschließlich nur noch Naturkosmetik in hellen, meinem Teint entsprechenden Tönen verwendet: braunes Mascara und einen blonden Augenbrauenstift. Mehr war es schon gar nicht mehr. Und dennoch musste das Wenige wenigstens noch sein. Wohl mehr für mein Gefühl als für das sichtbar Geschminkte.

Ein Licht im Dunkel

Und dann kam ein Tag, an dem ich erkannte: Das kannst DU alles auch haben, wenn Du nur endlich Deine Eitelkeit und die alten Glaubenssätze loslassen würdest, ohne Make up häßlich oder unvollkommen zu sein. Doch allein das zu erkennen, reicht noch nicht aus, dass sich die Ängste und Zweifel zerstreuen und in Wohlgefallen auflösen. Zurück blieben die Fragen, wie das Umfeld darauf reagieren und Fragen stellen würde. Ich wußte, es würde mir unangenehm sein und einer Rechtfertigung gleichkommen, wenn ich dann anfange zu erklären, warum ich mich nun nicht mehr schminke. Ich hatte zunehmend das Gefühl, es sei regelrecht gesellschaftlich verpönt so blass zu sein und es so auch zu belassen. Dann machte ich vor einigen Wochen eine ganz wunderbare Erfahrung:

Ich war für zwei Wochen zur einer Ausbildung auf Teneriffa. Anfangs schminkte ich mich noch, aus reiner Gewohnheit. Dann gab es immer mal Inhalte und Begegnungen, die mir Tränen in die Augen zauberten vor Rührung. Dabei ruinierte es mir mein aufgelegtes Augen-Make up (was ich ja noch schlimmer finde als kein Augen-Make up ist ein durch Wetter oder Emotionen ruiniertes Augen-Make up!), weswegen ich mich entschied, mich für den Rest meines Inselaufenthaltes nicht mehr zu schminken.  Meine Gruppe würdigte diese Veränderung an mir mit keiner Reaktion und keinem Wort, was mir extrem guttat und mich innerhalb weniger Tage völlig vergessen ließ, dass ich ungeschminkt war.

Und es war die reinste Wohltat!!! Ich stand morgens auf, duschte, kämmte mein Haar, zog mich an und ging unter Menschen. Ich machte es genauso wie ich es mir bei all den brünetten Frauen immer vorstellte, die ich so sehr darum beneidete, dass sie Augenbrauen und Wimpern haben, die man auch ungeschminkt mit bloßem Auge wahrnehmen kann. Ich war dann innerhalb kurzer Zeit so sehr davon überzeugt mich nicht mehr hinter Kunst und Farbe verstecken zu wollen, dass ich sogar ungeschminkt den Heimflug antrat. Mir wahr völlig egal, wie andere fanden, dass ich so blass bin.

Hey, so bin ich! DAS ist MEIN Gesicht. Ich bin genau SO! So hat es mir die Natur geschenkt. Ich bin eine von 2% Blondinen auf der ganzen Welt. Und ich bin schön genauso wie ich eben bin.

Seither passieren mir in meinem Umfeld auch Dinge, die mich sehr bestärken in meiner Natürlichkeit. Zum Beispiel reagieren Freunde enorm positiv. Eine Freundin meinte sogar ganz verdutzt, ich wäre noch hübscher als sonst, was ich denn jetzt anders mache?! Mehrere Menschen in meinem Umfeld meinten, sie haben gar keine Veränderung an mir bemerkt zu früher, ich hätte also schon viel eher mit dem Schminken aufhören können.

Du hast allen Grund zu Dir selbst zu stehen

Warum schreibe ich das alles?

Ich weiß jetzt, dass das Thema für mich einen enorm großen Raum in meinem Leben eingenommen hat. Raum, der dem Thema so gar nicht zustand und zusteht. Und den Raum hatte es auch für niemanden um mich herum. Das ganze Zinnober, all die Sorgen und Ängste vor Ablehnung fanden nur in meinem Kopf statt. Den Menschen, die mich kennen und mögen, ist es völlig egal, wie ich aussehe. Sie mögen mich auch ohne Make up. Viele haben kaum einen Unterschied bemerkt, es war anscheinend für sie nicht prägnant genug. Oder es hat sie so wenig tangiert, dass sie es umkommentiert ließen.

Ich habe mich geißeln lassen von einem Monster, das nur in meinem Kopf existiert hat und mir über Jahre regelmäßig einflüsterte, ich sei häßlich, zu blass, natürlich nicht schön genug, um mir erlauben zu können ungeschminkt zu sein.

Deswegen ist es mir ein ganz großer Herzenswunsch all jene zu ermutigen, denen es da genauso geht oder ergangen ist wie mir. Und damit meine ich nicht nur die wunderschönen und seltenen blonden Geschöpfe unter Euch, sondern auch jene, die generell Angst davor haben sich ungeschminkt zu zeigen aufgrund vermeintlicher Unzulänglichkeiten.

Tipps für den Übergang

Vielleicht hast Du schon festgestellt, dass es nervt, das morgendliche Schminken. Immer dasselbe. Zeitverschwendung. Wofür eigentlich? Und doch kann man es nicht lassen, traut sich eben nicht. Diese kleine fiese Stimme im Kopf, die einem sagt, dass man so doch nicht rausgehen kann und was wohl die anderen von einem denken?!

Um den Übergang zu schaffen, ist es wichtig erst einmal ganz tief in sich wahrzunehmen, dass man eigentlich keine Lust mehr auf Verstecken und Verkleiden hat. An dieser Stelle merkt man schon, dass das Schminken an sich nicht zu einem selbst gehört, sondern zum Maskieren benutzt wird. Um uns zu verstecken, uns selbstbewusster sein zu lassen. Und ist dies einmal erkannt, kannst Du Dich in kleinen Schritten auch ungeschminkt aus dem Haus wagen:

  • Geh anfangs erstmal nur zu bestimmten Anlässen ohne Make up vor die Tür, zum Beispiel für Schwimmbad-Besuche, zum Saunieren, zum Einkaufen. Und schau Dich auch gern mal um, was sich um Dich herum so bietet. In Zeiten des Jogginghose-Lifestyle braucht man sich für seine Natürlichkeit nicht mehr schämen. Was für den Mann die Jogginghose ist, ist für die Frau das ungeschminkte Gesicht.
  • Dann bleib an den Wochenenden ungeschminkt. Genieß die Auszeit. Genieß die Einfachheit des Starts in den Tag. Fühl Dich frei und ungezwungen damit. Nimm bewusst wahr, wenn es positives Feedback gibt zu Deiner Veränderung. Und achte auch mal darauf, dass es für die Umwelt gar nicht so eine große Veränderung ist, wie es in Deinem Kopf scheint. Nimm wahr, wie mit jedem Tag, den Du das praktizierst, die Last auf Deinen Schultern leichter wird, wie der Quälgeist in Deinem Kopf zu diesem Thema immer kleiner wird und regelrecht schrumpft.
  • Und dann nimm Dir vor, nur noch an bestimmten Tagen geschminkt zu sein. Zu bestimmten Anlässen. Anlässe, an denen es auch noch einmal temporär Spaß machen kann, sein Gesicht mit ein klein wenig Farbe etwas mehr zur Geltung zu bringen, wie beispielsweise wenn man abends mal ausgeht oder zu Familienfeiern und dergleichen.

Du wirst sehen, innerhalb von ein oder zwei Wochen ist es schon normal sich nicht mehr zu schminken. Man vergisst zunehmend, dass man nicht geschminkt ist. Und plötzlich ist man genauso selbstbewusst wie zuvor mit Farbe im Gesicht.

Vergiß niemals, wie schön Du bist

Ihr seid alle wunder-wunder-wunderschön, und zwar genauso wie Ihr seid. Lasst Euch niemals etwas anderes einreden. Nicht von anderen Menschen und schon gar nicht von den Stimmen in Eurem Kopf. Nichts von dem, was sie sagen, entspricht in irgendeiner Form der Wahrheit.

Die Natur hat Euch alles geschenkt. Versteckt es nicht länger unter Farbe und Zwang. Befreit Euch von Selbstzweifeln. Steht zu Euch. Geißelt Euch nicht länger. Nichts an Euch muss anders sein. Ihr seid genau so liebenswert wie Ihr seid.

Schönheitsideale sind eine Werbe- und Konsumfalle der Medien. Die gibt es in Wirklichkeit gar nicht. Wie kann es auch Ideale geben in all dem vielen menschlichen Individualismus, in dem jeder einzelne ein Ideal ist?!

♥ Seid so wie Ihr sein mögt. Denn Ihr seid einzigartig und perfekt! ♥

 

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