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Veränderungen

Alles verändert sich in jedem einzelnen Augenblick

„Das Leben ist ein Fluß. Wenn du es näher betrachtest, dann wirst Du sehen, dass sich alles in jedem Augenblick verändert.“

(Drukpa Rinpoche)

Unser Auge ist oft viel zu grob es wahrzunehmen. Für unseren dominantesten Sinn, unsere Augen, verändert sich oft nichts, sehen die Dinge am nächsten Tag immer noch so aus wie am Tag zuvor. Emotional ist das schon anders. Die Gefühle sind feiner, nehmen Stimmungen, Schwingungen und Energien feiner wahr und können unmittelbarer registrieren, wenn sich etwas verändert; im Raum, im Beziehungsgefüge, in den Emotionen und Energien aller gerade Beteiligten.

Es verändern sich vor allem auch dann Dinge, wenn wir glauben uns selbst oder an uns und der Situation selbst nichts aktiv verändert zu haben. Ja sogar dann, wenn wir uns bewusst weigern etwas zu verändern.

Kleine Anekdote aus der Vergangenheit

Vor einiger Zeit durfte ich damit eine wunderbare und ganz direkte Erfahrung machen und am eigenen Leibe spüren, wie ich trotz meines passives Seins und meiner bewussten Weigerung mich selbst in dem Moment zu verändern, der stetig stattfindenden Veränderung um mich herum nicht weniger ausgeliefert war als hätte ich selbst die Veränderung eingeläutet und initiiert.

Es war einmal..

..vor etwa einem Jahr. Ich nahm gerade an einer Ausbildung zur Meditation- & Achtsamkeitslehrerin teil. Unsere Gruppe kannte sich damals schon einige Zeit, wir trafen uns bereits zum 3. Ausbildungsmodul und waren sozusagen schon vertraut miteinander. Ja, in solch einer Ausbildung ist man irgendwie viel schneller und viel intimer miteinander bekannt als man das sonst so vielleicht kennt mit seinen Kontakten. Hier teilt man viele sehr persönliche und auch emotionale Erfahrungen und Situationen miteinander. Wir waren ein angenehmes, sehr durchmischtes, aber doch harmonisches kleines Grüppchen aus verschiedensten Charakteren und Persönlichkeiten. Mit der Zeit hatte jeder so sein Plätzchen im Seminarraum.

Die meisten von uns kennen das Phänomen sicherlich, das auch mich ganz stark begleitet: Ich komme in einen Raum und weiß sofort, in welcher Ecke oder an welcher Wand, an welchem Fenster ich mich in dem jeweiligen Raum am wohlsten fühle. Sind also Gegebenheiten geboten, bei denen ich längere Zeit in einem Raum verbleibe, brauche ich für mich ein solches Plätzchen, um ein gewisses Maß an Wohlbehagen herzustellen. Das heißt natürlich nicht, dass ich dann dort festklebe. Aber das ist dann für mich zumindest die Stelle, von der aus ich in alle Richtungen agieren kann. Von der aus ich mich gern auch mal in den Raum bewege, mich dahin dann aber auch wieder zurückziehe, wenn mir danach sein sollte.

Meine bewusste Weigerung mich zu verändern

Unser Seminarleiter und Ausbilder ließ uns jederzeit freie Platzwahl. Für die Ausbildung gab es natürlich weder Stühle noch Tische. Ganz im Gegenteil. Wir durften uns mit unseren Meditationskissen und Decken frei im Raum und zu jeder Gelegenheit wieder neu organisieren und anordnen, umbetten und es uns wirklich bequem machen.

Ich hatte an dem einen Tag dennoch irgendwie so mein halbwegs angestammtes Plätzchen, und plötzlich hieß es: „Tauscht mal die Plätze! Schaut mal, mit wem Ihr tauschen wollt und beobachtet, was passiert.“ Ich schaute durch den Raum und guckte mir die Plätze der anderen so an. Aber ich wollte mich mit keinem anderen Platz arrangieren. Ich saß mit dem Rücken zu einer Wand, hatte vor mir sozusagen die Fensterfront mit zwei riesig großen Fenstern (auch wenn die nur in einen Innenhof gingen), was ich in dem Moment total angenehm empfand. Ebenso die Menschen, die jeweils zu meiner rechten und linken Seite saßen. Der Ausbilder mir im Kreis genau gegenüber, ich sah alles gut und fühlte mich wohl. Alles passte so. Warum also sollte ich es verändert wollen?!

Ich weigerte mich. Ich ließ mich auf dieses Experiment nicht ein und tat dies auch so kund. Die Gruppe akzeptierte meine Entscheidung ohne eine Rechtfertigung zu verlangen oder es sonst irgendwie negativ aufzufassen, dass ich einfach sitzen blieb, wo ich eben saß. Und ich dachte nur so bei mir: „Tauscht Ihr nur! Ich fühle mich hier wohl, für mich passt alles so wie es gerade ist und bin nicht bereit mich der Gefahr eines Unbehagens hinterher auszusetzen.“

Das Aha-Erlebnis & die dankbare Erkenntnis

Mit diesen Gedanken lag ich völlig daneben. Ich nahm an, dass sich für mich nichts ändert, wenn ich nichts ändere. Damit habe ich absolut unterschätzt, dass man immer Veränderungen ausgesetzt ist, ob man diese selbst aktiv bewirkt und herbeiführt oder eben nicht. Veränderungen gibt es immer. Und das im Grunde von Augenblick zu Augenblick zu Augenblick.

Die Menschen um mich herum setzten sich in der Runde also um und ich blieb an meinem Platz. Jedoch mit dem Fazit, dass sich damit auch die Energien um mich herum veränderten, mein Blick auf die einzelnen Menschen und in in den Raum. Ich saß zwar noch an derselben Stelle, aber es fühlte sich nicht mehr so an. Das Gesamtgefüge hatte sich völlig verändert. Alles war anders. Die Veränderung hätte nicht größer sein können, wenn ich mich selbst umgesetzt und die Veränderung aktiv herbeigeführt hätte.

Der Unterschied war so gravierend, dass die daraus gewonnene Erkenntnis einem kleinen Erwachen glich. Ich saß da, schaute nur und fühlte, wie sich alles veränderte, während ich sitzen blieb. Ich war überwältigt von diesem Effekt und wie sehr sinnbildlich das verdeutlichte, was wir alle jeden Moment im Leben erleben.

Alles verändert sich immer & zu jeder Zeit

Das Leben fließt, Veränderungen kommen und gehen, und gleichzeitig bewegt sich alles. Nichts bleibt jemals stehen. Nur wie wir Veränderungen auffassen, unterliegt unserer subjektiven Einschätzung.

Die eine Veränderung gefällt uns lediglich besser als eine andere, was wiederum an der eigenen Erwartung und Bewertung der Situation liegt. Bekomme ich beispielsweise zwischendurch eine Gehaltserhöhung, ist das für mich durchaus eine annehmbare Veränderung. Wäre ich ja schön blöd zu sagen „Nee, lasst mal. Ich mag Veränderungen nicht so!“. Ganz im Gegenteil. Plötzlich kann ich mich extrem flexibel und anpassungsbereit zeigen. Sollte man mir aber auf Arbeit zum Beispiel mitteilen müssen, dass ich meinen Arbeitsplatz verliere, ist meine Flexibilität und Bereitschaft zur Veränderung ganz schnell an ihre Grenzen gelangt und ich wünschte mir, alles würde bleiben wir es war.

Aber ganz oft haben Menschen Angst vor Veränderungen, sehen sich nicht in der Lage Entscheidungen zu treffen, weil sie die Tragweite der Dinge nicht abgesehen können oder wollen. Lieber tun sie dann nichts, verändern nichts, treffen zu treffende Entscheidungen vielleicht nicht. Aber auch das ist eine Entscheidung, die Auswirkungen hat. Und weil sich um uns herum dennoch alles weiterhin kontinuierlich verändert, ist es für die Sache an sich, für das Wirken des Universums und für das Leben völlig irrelevant, ob wir uns nun zu einer Entscheidung oder Veränderung durchringen können oder nicht. Alles kommt, wie es kommen muss. Vielleicht dann nur auf kleinen Umwegen.

Offen bleiben & annehmen, was kommt

Und weil sich ja quasi alles im Leben von Moment zu Moment verändert, können wir im Grunde auch loslassen, warten, was da auf uns zukommt, schauen, was es mit uns macht und uns treiben lassen. Uns mitnehmen lassen vom Fluß des Lebens. Quasi die Welt reiten, die reinkommt und uns einlädt, sie zu nehmen. Warum noch länger auf unserem Surfbrett am Strand herumdümpeln und warten. Warten worauf???

Natürlich können wir auch Widerstand aufbauen und uns weigern, die Veränderung zuzulassen oder zu akzeptieren, was jedoch an der Situation an sich nichts ändert. Die Veränderung geschieht dennoch. Nur mit dem einzigen Unterschied, dass wir eine Menge Kraft, Energie und wahrscheinlich auch noch Nerven verloren haben bei der Weigerung zu akzeptieren, dass alles immer kommt, wie es kommen muss. Daher..

♥ Lass zu, was kommt und beobachte, was es mit Dir macht. Alles darf sein. ♥

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