Schuldgefühle

(Falsche) Schuldgefühle endlich überwinden und loslassen

Ich möchte nicht immer so schnell ein schlechtes Gewissen haben. 

Ein Gefühl von Schuld ist das, was diesem schlechtem Gewissen zugrunde liegt. 

Schuld. Ein Wort, von dem ich relativ wenig weiß, und doch ist es mir emotional ebenso vertraut wie Glück, Freude und Zufriedenheit. Als wäre sie immer da, die Schuld, und umgibt mich wie feiner Sprühnebel. „Ich fühle mich schuldig.“ Das sagt man doch so. Und ja, es ist das Gefühl in mir, das bei vielen Gelegenheiten, vor allem auch in Bezug auf andere Menschen in mir aufkommt, sich entfaltet und mich umklammert. 

Schuld. So schnell ist sie da, hat sich festgebissen und mein Denken eingenommen. Selbst bei banalen Dingen. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Schuld. Was für ein Wort. Vom Klang her noch nicht einmal ein besonders schönes. Dumpf klingt es. Und dunkel. Der Duden bietet keine nähere Erklärung für dieses Wort. Weil man es unweigerlich mit sich selbst erklären müsste: Schuld ist, wenn man sich schuldig gemacht hat. 

Aber stimmt das?

Bin ich schuld an all den Dingen, für die ich mich schuldig fühle, für die ich in irgendeiner Art Schuld empfinde? Was sollte ich getan haben, dass ich so viel Gefühl von Schuld in mir trage? 

Als wäre die Schuld mein Schatten, scheint sie mir in manchen Situationen ständig zu folgen. Ob zu Recht oder Unrecht lässt sich dabei nur schwer deuten. Die Grenzen scheinen dahingehend zu verschwimmen bzw. finde ich schnell eine Erklärung, warum ich Schuld haben, auch wenn die vor meinem rationalen Urteil nicht immer Bestand hat.

Schuld. Schon lange in meinem Leben scheint sie meine Begleiterin zu sein. Viel länger als mir ihr Name und die Tatsache, dass es sie gibt, bekannt ist. Sie ist unsichtbar, manchmal auch für mich, doch meistens vor allem für die Anderen um mich herum. Dennoch legt sie sich wie eine dünne Staubschicht über mich und mein Tun, Handeln und Entscheiden und wirbelt auf, wenn man sich zu stark und zu ruckartig bewegt, um sich dann wieder abzusetzen und die Dinge wieder mit diesem zarten, einheitlich grauen Schleier zu überziehen.

Für so viele Dinge will ich mich ständig entschuldigen. Besonders schlimm betroffen sind vor allem die Anteile als Mutter in mir: was hätte ich besser machen, wo geduldiger sein können, was war unnötig, wo hätte es mehr von etwas gebraucht, was ist wie geworden, weil ich die bin, die ich bin und weil ich gehandelt habe, wie ich es tat. 

Auch habe ich Schuldgefühle, weil ich Dinge nicht kann, von denen ich denke, dass ich sie kennen, wissen oder beherrschen sollte. Weil es zum Allgemeinwissen gehört. Weil man „so etwas einfach weiß“. 

Schuldig, weil ich bin wie ich bin. Weil ich hochsensibel bin und es nicht ändern kann. Weil ich anders funktioniere als Andere. Weil ich mir deswegen selbst oft kompliziert und schwierig vorkomme im Vergleich zu den Anderen um mich herum (obwohl mir natürlich klar ist, dass dieser Vergleich keinen Sinn macht). Als müsse ich mich erst einmal grundlegend dafür entschuldigen, dass ich überhaupt bin. Dass ich bin, wie ich bin. Dass ich keine andere sein kann als die, die ich bin. Schuldig, weil ich vielleicht so auch nicht das Kind war, dass sich meine Eltern vorgestellt und gewünscht hatten.

Immer wieder erwische ich mich auch im Alltag dabei, wie ich mich entschuldige. Im Laden: „Entschuldigen Sie, ich hätte gern..“oder „Entschuldigung, können Sie mir sagen..“. Hier ein Sorry, weil mich jemand anrempelt und ich mich dafür entschuldige, dass ich scheinbar im Weg gestanden habe. Dort ein Sorry, weil ich etwas nicht gleich verstanden habe. Da ein Entschuldigung, weil ich husten musste.

Manchmal erwächst ein schlechtes Gewissen und ein Gefühl von Schuld auch ohne, dass es einen Kläger dazu gibt. Einfach so.

Aber halt! Muss das alles so sein?

Der eigentlich Sinn und Nutzen von Schuldgefühlen

Ein schlechtes Gewissen und die daraus resultierenden Schuldgefühle signalisieren uns, dass wir einen Fehler gemacht haben und dass wir etwas getan haben, das mit unseren Wertvorstellungen kollidiert. Dieses Gefühl ermöglicht uns eine Erfahrung durch unser Selbst und gibt uns somit die Möglichkeit ein anderes Mal bei einer ähnlichen Situation neu zu entscheiden, wie wir reagieren und mit der Situation umgehen. Das bedeutet, dass wir unser Verhalten somit ändern können und damit zukünftig im besten Falle weniger bzw. seltener mit uns selbst und anderen Menschen in Konflikt geraten. Wir lernen auf diesem Wege unsere Persönlichkeit zu bilden und auszuformen, wir lernen etwas über uns selbst. Wir lernen etwas über unsere Mitmenschen, über ihre und unsere Grenzen. Aber wir lernen auch etwas über Gemeinsamkeiten, über Dinge, die uns vereinen. Wir lernen uns zu entschuldigen und ebenso etwas über den Wert von Entschuldigungen Anderer uns gegenüber. Wir lernen das Verzeihen und die Bedeutung von  aufrichtiger Vergebung. 

Falsche Werte aus Bequemlichkeit?

Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen sind quälend und können für unser zukünftiges Handeln richtungsweisend sein. Wir haben danach jedes Mal, wenn wir eine Handlung vollziehen oder eine Entscheidung treffen, die Chance etwas anders zu machen. 

Bewusst benutze ich an dieser Stelle nicht das Wort „besser“, weil dieses „besser“ eine äußerst subjektive Betrachtungsweise ist. Wenn Menschen Wert- und Normvorstellungen vermitteln, und es ist völlig egal, ob es sich dabei um Lehrer/ Pädagogen, Eltern, Freunde oder den Partner handelt. Meistens wirken sie aus dem heraus, was sie selbst als Wertesystem vertreten. Und nicht einmal immer das. Nach moralischen Werten zu leben, ist nämlich nicht einfach. Gerade in unserer Überfluß- und Leistungsgesellschaft sind wir schnell „bequem“, eil es uns die Industrie bequem macht oder wir haben das Gefühl nicht anders handeln zu können als es von uns verlangt wird. Wir wissen, dass wir uns anders entscheiden sollten, dass wir anders handeln sollten, aber dennoch sind viele Dinge zu bequem als dass wir etwas ändern würden. Das können Dinge wie der Umwelt- und Klimaschutz sein: beispielsweise weiterhin mit dem Auto fahren, obwohl das öffentlichen Verkehrsnetz gut ausgebaut ist. Plastiktüten kaufen und verwenden, weil man nicht daran gedacht hat einen Stoffbeutel mitzunehmen und unterwegs nun keinen neuen erwerben will, 

Das kann unsere Ernährung: da will ich nicht davon sprechen, dass wir alle eine Welt schaffen sollten, in der wir alle Vegetarier oder gar Veganer sind. Aber doch eine, in der Tiere, die wir für unsere Ernährung „nutzen“, nicht mehr leiden müssen, in der Zeit, solange sie ein Leben haben. Dass wir die Tiere und die Natur wieder ehren und dankbar für das sind, was sie uns schenken. Dass wir all dem wieder mit Achtung  und Mitgefühl entgegentreten. Dass wir darauf achten, was wir kaufen und dass wir unseren Möglichkeiten des Überflusses nicht nach Lust und Laune frönen, nur weil es bequem ist. Wir industriegefertigte Lebensmittel kaufen, weil sie schnell zuzubereiten sind, wir dafür zum Teil kaum kochen müssen, wir uns über deren Beschaffenheit, Zusammensetzung und Nährwert für unseren Körper keinerlei Gedanken machen (wollen). Zumal diese Bequemlichkeit immer zu Lasten unserer Seele und Gesundheit geht. Wir bezahlen sie 1:1 mit unserem Leben, auch wenn es so auf den ersten Blick nicht unmittelbar spürbar ist. 

Auch in der Erziehung und Begleitung von Kindern gibt es inzwischen diese Bequemlichkeit:

Wir parken Kinder vor TV-Geräten, um in Ruhe unseren Beschäftigungen im Haushalt nachgehen zu können, vielleicht auch die eine oder andere ruhige Minute für uns selbst zu finden. Wir geben ihnen Smartphones in die Hand, um sie ruhig zu halten in Situationen, in denen wir denken, dass es (gesellschaftlich) unangebracht wäre, wenn sie sie selbst sind, unruhig werden, quengeln oder weinen. 

Aber unser Gewissen können wir nicht belügen. Es sitzt in unserem Hinterkopf und kratzt dort regelmäßig, wenn wir uns wieder einmal nur die Fertigpizza eingeschaufelt haben, wir bereits zum dritten Schokoriegel, Bier oder Burger greifen, wenn wir unseren Kindern wieder nicht die qualitativ hochwertige Zeit gewidmet haben, die sie verdient haben, weil sie uns das Wichtigste sind, das wir haben und sie doch so schnell groß werden, wir es im Alltagsgewusel aber wieder nicht haben erübrigen können, eine vielleicht nur kurze, dafür aber intensive Zeit mit ihnen zu verbringen und wenn wir uns wieder für ein Plastikprodukt entscheiden haben, statt nach einer plastikfreien Alternative Ausschau zu halten, weil es so jetzt schneller und einfacher vonstatten ging. 

Wir alle kennen das. Wir alle haben bezüglich Schuld und schlechtem Gewissen unsere eigenen Themen. Und wie gesagt: Etwas zu ändern, liegt allein in unserer Hand und in unserem eigenen Willen zur Veränderung.

Was falsche Schuldgefühle in uns bewirken

Was jedoch keinen Sinn macht, sind falsche Schuldgefühle, also die Gefühle von Schuld, die keinen realen Hintergrund haben. Schuldgefühle, die nur wir allein empfinden und auf dessen Grundlage kein anderes Lebewesen oder die Natur betroffen ist. Ein schlechtes Gewissen, das nur in unserem Kopf existiert. Und wir sind gut darin, es dort drin auch aufrechtzuerhalten. 

Auf Dauer belasten Schuldgefühle unsere Seele. Sie lösen eine Stressreaktion in unserem Organismus aus, führt zu muskulären Verspannungen, Magen- und Darmproblemen, Herzrasen, hohem Blutdruck und Stimmungslabilität, die von einer gewissen Gereiztheit geprägt ist. Menschen, die zu falschen oder übermäßigen Schuldgefühlen neigen, leiden deswegen auch unter Selbstvorwürfen, einen Hang zum Perfektionismus und damit gleichzeitig auch an Versagensängsten. Es ist ein vielschichtiges Konstrukt, das nicht selten an der Entstehung von Depressionen beteiligt ist.

Gründe für (falsche) Schuldgefühle 

Die Gründe für Schuldgefühle können vielfältig sein. 

Wir können uns schuldig fühlen..

..für Dinge, die wir getan haben.

..für Dinge, die wir nicht getan haben (aber vielleicht hätten tun sollen).

..für Dinge, von denen wir nur denken, wir hätten sie getan (dies jedoch nur unserer Interpretation und Vorstellung unterliegt).

..durch die Übernahme von Idealen und Normen anderer Menschen (die jedoch mit den unseren nicht übereinstimmen).

..weil wir etwas haben oder können, das ein Anderer nicht hat oder kann.

Das Lindern und Loslassen von Schuldgefühlen

Wir müssen sie loslassen, die Schuldgefühle, die uns klein machen und erdrücken. Wir können nicht für alles verantwortlich sein. Auch sind wir „nur“ Menschen, und Menschen machen Fehler.

1. Akzeptiere Deine Schuldgefühle

Söhne Dich aus mit Deinen Gefühlen der Schuld, so alt sie auch sein mögen und was auch immer zu ihnen geführt haben mag. Nimm sie liebevoll an, ob sie nun einen realen Hintergrund haben oder ob es sich dabei um falsche Schuldgefühle handeln mag. Heiße sie willkommen, betrachte sie mit Mitgefühl und tiefer, aufrichtiger Zuwendung. Gib ihnen Raum und sie werden sich auflösen.

Dazu musst Du sie nur fühlen, wenn sie auftauchen. Immer, wenn Du spürst, dass es Schuldgefühle sind, die Dir gerade zusetzen, lasse sie dasein. Kompensiere diesen Zustand nicht, indem Du versuchst Dich im Außen mit etwas abzulenken und die Gefühle, die Unbehagen hervorrufen, wegzuschieben, zu ignorieren oder auszublenden. Gehe in sie hinein, nimm wahr, dass sie da sind und begegne ihnen mit liebevoller Achtsamkeit. 

Dieser Weg ist gerade bei Schuldgefühlen kein leichter, doch ist er notwendig, um den Kreislauf der Schuld zu durchbrechen und dem Gefühl, das tief in uns lauert und nur auf einen Anlass wartet, hervorzubrechen und sich zu zeigen, sich auf unsere Schultern zu setzen und uns niederzuringen, ein Ende zu setzen. 

Erst wenn wir ihnen sie betrachten und ihnen unsere Aufmerksamkeit schenken, können sie sich auflösen und müssen uns nicht mehr drangsalieren.

2. Betrachte Deine Schuld von Außen

Stell Dir vor, Du bist ein neutraler Beobachter und sieh Dir Deine Schuld mal von dieser Position aus an. Ganz ohne eine emotionale Regung. 

Was siehst Du? Ist da wirklich eine Schuld?

Auf diese Frage gibt es im Grunde keine richtige oder falsche Antwort. Stellst Du fest, dass Du Dich schuldig gemacht hast in irgendeiner Art, ist das in Ordnung. Es ist geschehen, nicht mehr rückgängig zu machen, Menschen machen Fehler (siehe weiter unten) und nun liegt es an dem, was Du daraus machst.

Und stellt Du fest, dass Du keine Schuld trägst, dann ist auch das gut. Dann hast Du hinter die Mechanismen schauen können, die alte Glaubenssätze und Denkmuster in uns auslösen. 

3. Übernimm Verantwortung

Du allein bist verantwortlich für Dein Handeln und Reden. Also übernimm die Verantwortung für das, was Du tust und stehe auch ein dafür, wenn Du etwas getan oder gesagt hast, was einen anderen Menschen verletzt hat. 

Stehe aber auch ein für die Schuldgefühle, die falsch sind in Dir. Schiebe nicht die Verantwortung dafür Anderen zu. Mache niemanden, außer Dich selbst, dafür verantwortlich Schuldgefühle in Dir auszulösen.

Wenn Du unter falschen Schuldgefühlen leidest, gib Deine Verantwortung für diese nicht ab, indem Du andere Menschen beschuldigst in Dir diese Schuldgefühle auszulösen. Dafür bist nur Du selbst verantwortlich. 

Wir werden im Leben natürlich immer wieder auch auf Menschen treffen, die  uns Schuld zuweisen wollen, einfach um ihren eigenen Anteil an einer Sache zu vertuschen, um sich selbst aus der Verantwortung zu ziehen und um nicht vor sich selbst für das eigene Handeln und Sprechen eintreten zu müssen. Doch ist dies nicht die Lösung. Auf diese Weise entstehen Konflikte, Auseinandersetzungen und im schlimmsten Falle sogar Kriege. 

Denk immer daran: Wir können andere Menschen nicht ändern, aber wir können uns selbst ändern. Alles fängt immer nur bei uns selbst an. 

4. Akzeptiere, dass Du nicht perfekt und frei von Fehlern bist

Wie oben bereits erwähnt, sind wir Menschen nicht fehlerfrei. Fehler sind menschlich. Das darf auch so sein, so sehr uns auch jemand einzureden versucht, dass das nicht hätten passieren dürfen. Ja, es wäre sicher schöner gewesen, wenn dies und jenes nicht passiert wäre. Doch wessen auch immer sich ein Mensch schuldig gemacht hat, hat niemand etwas davon, wenn er sich in seinen Schuldgefühlen verliert. Nicht der Mensch, der durch sein Handeln einen Schaden davongetragen hat und auch nicht der, der Schuld auf sich geladen hat. Niemand.

Ist etwas passiert, das ein Schuldgefühl rechtfertigt, ist Schuld zu empfinden ein Prozess. Man durchläuft mehrere Phasen. Das bedeutet aber auch, dass wir die Schuld irgendwann loslassen müssen, um uns mit der Gegenwart auszusöhnen und wieder hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.

5. Akzeptiere, dass andere nicht fehlerfrei sind

Schuld ist immer eine Medaille mit zwei Seiten: Wir können uns schuldig fühlen, wir können aber auch Schuld zuweisen. Schuld zuzuweisen und jemanden in dieser Schuld zu halten, ist ebenso schädlich und zerstörerisch als selbst Schuld zu empfinden für etwas. Auch Schuldzuweisungen machen unsere Seele krank und verhindert, dass wir uns selbst vergeben können. 

Jeder, der unter Schuldgefühlen leidet, sollte einmal genau hinschauen, an welchen Stellen er selbst Schuld zuweist. Ganz oft ist dies Faktoren, die sich bedingen. Dabei erscheint mir nicht klar, welcher Aspekt davon den anderen automatisch aufrechterhält: Kann ich mir selbst nicht verzeihen und halte deswegen auch andere in ihrer Schuld oder weise ich Anderen vehement unterschwellig Schuld zu und kann mir deswegen auch nicht selbst vergeben?

6. Selbstvorwürfe aufgeben

Höre auf Dir selbst Vorwürfe zu machen. Selbstvorwürfe sind die Geißel der Menschheit. Sie machen uns krank, schließen unsere Seele ein und verhindern, dass sie sich entfalten kann. Selbstvorwürfe nutzen niemandem etwas. Anderen Menschen um Dich herum ist völlig egal, wofür Du Dich in welchem Maße und über welchen Zeitraum hinweg selbst geißelst. Und es ist ihnen erst recht egal, ob diese Geißelung einen realen oder einen eingebildeten Hintergrund hat. Und Dir selbst bringt es ebenso wenig. 

Selbst dann, wenn Du tatsächlich Schuld an etwas trägst, musst Du die Vorwürfe an Dich selbst über das, was geschehen ist, nach einer Zeit der Be- und Verarbeitung loslassen. Wo käme denn die Menschheit hin, wenn sich jeder, der sich mal an etwas schuldig gemacht hat, ewig in diesem Schuldgefühl stecken bliebe? 

Und wie sagt man doch in der Bibel so schön und oft zitiert: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“ (Johannes 8, 7). 

Wir alle machen uns irgendwann einmal schuldig. Das ist einfach so. Es kann im Leben keine Ziel sein, uns nicht schuldig zu machen.

Das soll nun nicht bedeuten, dass wir mit Absicht etwas tun, was Anderen schadet, aber wir würden uns beschneiden und begrenzen mit dem Vorhaben uns niemals einen Fehler zu leisten. Das würde schon beinahe in die zwängliche Richtung gehen und in einen ungesunden Perfektionismus abrutschen, was wiederum einer Selbstgeißelung gleichkäme und persönliches Wachstum von vornherein verhindert.

Verfehlungen geben uns die Chance zu wachsen, an uns selbst und gemeinsam mit anderen Menschen. Natürlich wollen wir niemanden vorsätzlich verletzen, wir alle haben in dem Miteinander mit unseren Eltern, Geschwistern, Freunden, Verwandten und Bekannten als Kinder eine umfassende, auch moralische Begleitung genossen, die aber nur vielfältig sein kann, wenn wir auf unseren Wegen auch erlauben Fehler machen, aus denen wir für die Zukunft lernen können. Gerade deswegen ist das Zusammensein mit Anderen so wichtig für die Entwicklung kleiner Kinder. 

7. In der Gegenwart verweilen und in die Zukunft blicken

Bleib in der Gegenwart. Mache Dir das JETZT bewusst, so oft Du kannst. Immer, wenn wir Schuldgefühle haben, haben diese ihren Anker in der Vergangenheit, egal ob wir Schuld empfinden oder zuweisen. Wir lernen zwar aus den Dingen, die wir in der Vergangenheit falsch gemacht haben, aber nicht, indem wir in diesem Zustand der Schuld verharren. Der Prozess der Schuld sieht vor, dass wir, nachdem wir etwas für die Zukunft gelernt haben, das Schuldgefühl loslassen und offenen Blickes in die Zukunft schauen mit dem Wissen, beim nächsten Mal in solch einer ähnlichen Situation anders zu handeln. 

Nicht immer ist dann klar, wie dieses „Anders handeln“ dann aussehen wird, was die neue Situation verlangt und niemand kann uns garantieren, dass wir dann „besser“ handeln bzw. so handeln, dass keine Schuldgefühle entstehen. Aber wir haben die Möglichkeit etwas anders zu machen und neu in sich hineinzufühlen, was es mit uns macht. Viele Situationen begegnen uns im Leben mehr als nur einmal und jedes Mal haben wir die Möglichkeit uns neu für eine Handlungsweise zu entscheiden. 

Gibt es Situationen, die uns nur ein einziges Mal begegnen, müssen wir dennoch das Schuldgefühl, dass mit dieser einen Handlung oder Entscheidung einherging, loslassen und abschließen. Und auch dies als Erfahrung akzeptieren, so gravierend sie vielleicht auch ausgefallen sein mag. 

Fazit

Schuldgefühle sind also nicht immer das, was wir meinen, das sie sind. Sie machen uns auf Dauer krank und schaden unserer Seele. Schuldempfinden ist ein wichtiger Mechanismus für uns Menschen. Unser Gewissen und unsere Fähigkeit zur Empathie sind dafür wichtige Voraussetzungen. Wir alle machen Fehler. Und wir müssen nicht fehlerfrei durchs Leben gehen. Wir müssen daher aber auch nicht nur lernen uns zu entschuldigen und Entschuldigungen anzunehmen, sondern auch zu vergeben, vor allem auch uns selbst. Und wir müssen außerdem lernen richtige Schuld von falschen Schuldgefühlen zu unterscheiden, um uns wieder mit uns und dem Leben in Einklang zu bringen.

Daher schau doch demnächst einmal etwas achtsamer hin, bevor Du Dich entschuldigst. Und entschuldige Dich nur, wenn Du das Gefühl hast, dass die Entschuldigung wirklich angebracht ist und Sinn macht.

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