Negative Gefühle

So gehst Du mit starken (negative) Gefühlen um

Gefühle sind vielschichtig und eröffnen uns eine tiefe und facettenreiche Innenwelt. Jedoch sind sie auch mächtige ebenso wie flüchtige und subtile Zeitgenossen, die uns oft leiden lassen. Mit den Gefühlen, die wir als positiv einordnen und bewerten, können wir meistens ganz gut umgehen und ihnen Ausdruck verleihen. Sie zu leben und zu fühlen ist für viele Menschen weniger eine Herausforderung.

Doch wie sieht es mit den Gefühlen aus, die wir als negativ betrachten, wie Trauer, Wut, Zorn, Enttäuschung, Scham, Schuld und Neid? Manchmal überrollen sie uns einfach, zerren an uns, treiben uns um. Sie können uns ruhelos werden lassen, uns zur Verzweiflung bringen. Gerade diese unangenehmen Gefühle gestehen wir uns nicht zu. Wir versuchen ihnen aus dem Weg zu gehen, sie zu kompensieren oder gar zu vermeiden.

Auch wünschten sich viele die Welt verändern zu können, in der Hoffnung negative Gefühle so eliminieren zu können, um die Missstände nicht mehr fühlen zu müssen, die vorherrschen. Um nicht mehr spüren zu müssen, was uns alle angeht, aber niemand anscheinend zu ändern vermag.

Dabei müssen wir die Welt nicht verändern. Wir allein können sie gar nicht verändern. Darauf zu warten oder es zu versuchen, wäre unweigerlich mit einer Enttäuschung verbunden. Dennoch können wir etwas ändern, um nicht von negativen Emotionen überwältigt zu werden. Und zwar den Umgang mit uns selbst und unseren eigenen Gefühlen.

Gefühle 

Wir neigen schnell dazu uns abzulenken, wenn wir etwas fühlen, das uns unangenehm ist. Wir wuseln im Außen oder  geben uns irgendwelchen Aufgaben im Haushalt hin. Es gibt auch Menschen, die neigen dazu sich mit Arbeit einzudecken, wenn sie vor sich und ihren Gefühlen fliehen. Andere wiederum, und das ist heute ein sehr leichtes Mittel, um alles wegzudrücken, was unerwünscht ist, flüchten sich in digitale Medien. Da wird schnell durch die sozialen Netzwerke gesurft, sich mit dem Lesen von Nachrichten abgelenkt, ein Video angeschaut oder auch Filme bzw. Serien gestreamt. Es ist heute so einfach vor sich selbst wegzulaufen.

Dabei sind unsere Gefühle unmittelbar mit uns verbunden. Sie begleiten uns den ganzen Tag, leiten uns, führen uns durch unser Leben. Doch sind sie nicht dazu da uns das Leben schwer zu machen, wie es manchmal den Anschein hat. Sie sind nicht unsere Feinde. Ganz im Gegenteil. Gefühle sind da, weil sie einen Sinn haben. Einen größeren Sinn als den, dass wir ergründen müssten, was hinter jedem einzelnen unserer Gefühle steckt.

Gefühle sind, ebenso wie unser Atem, die kleine Brücke der Achtsamkeit ins Hier und Jetzt. Sie sind Momentaufnahmen, das heisst, sie zeigen den Moment, mit dem wir immer in unmittelbarer Verbindung stehen: Wir sind im Moment, im Augenblick, das macht etwas mit uns, löst in uns ein Gefühl aus und wir beeinflussen damit den Moment, der wieder neu ist.

Gefühle erleben

„Was da ist, möchte gesehen werden. Was gesehen wird, kann sich auflösen.“

(unbekannt)

Unsere Gefühle bergen ein extrem hohes Potenzial für inneres Wachstum, wenn wir sie in unser Leben einladen, ihnen Gehör schenken und sie wissen lassen, dass wir sie wahrnehmen und sehen. Zwar sind wir nicht unsere Gefühle, dennoch gehören sie zu uns. Sie sind untrennbar mit uns verbunden und wir mit ihnen. Immer fühlen wir, das können wir nicht abstellen. Sie sind ein wichtiger Teil von uns. Wieso also sollten wir sie loswerden wollen? Es käme einem Weglaufen vor sich selbst gleich.

Was also können wir tun, wenn nicht weglaufen? Wir begegnen ihnen. Auf Augenhöhe und ganz direkt. Und zwar so wie sie auftauchen. Wir erleben sie, von Moment zu Moment zu Moment.

Und je intensiver sie werden, desto achtsamer und bewusster treten wir ihnen gegenüber. Wir werden ganz präsent und geben uns absolut dem Gefühl hin. Wir gehen tief hinein in dieses Gefühl, ergründen es, verschmelzen mit ihm. Wir werden zu dem Gefühl, lassen uns komplett von ihm ausfüllen und erleben unmittelbar, was es uns erfahren lassen möchte.

Im Auge des Gefühl-Orkans

„Wenn man das Gefühl ganz fühlt, aber nichts tut, findet ein inneres Loslassen statt, das man durch nichts anderes erreichen kann. Wenn man das Gefühl ausgefühlt hat, ist man so gelöst, wie durch nichts anderes. Dann mag sein, dass ein tieferes Gefühl auftaucht. Und auch das fühlt man auf dieselbe Weise wieder aus. Ohne was zu tun. Auch ohne gedanklich etwas zu tun. Das ist der Königsweg auf dem spirituellen Weg und der Königsweg zum Aufwachen.“

(Christian Meyer)

Du musst also nicht anderes tun als das Gefühl komplett zu fühlen. Lass den Schmerz zu. Welche Form dieser Schmerz auch hat. Ob Angst, Trauer oder Wut – lass zu, dass er da ist und Dich ausfüllt. Lass zu, was er mit Dir macht.

„Weinen ist genauso menschlich wie Lachen. Das Weinen ist ein Ventil, es befreit von innerer Anspannung.“

(Jorge Bucay)

Wenn Du weinen musst, dann weine. Weine, so viel wie Du willst und es braucht. Du brauchst keine Angst zu haben Dich zu verlieren. Ist der Schmerz ausreichend gelebt, verebbt er von ganz allein. Selbst wenn Du mehrere Tage damit zubringst, in denen der Schmerz in Wellen kommt und wieder geht, kommt und wieder geht, wie das beispielsweise in der Trauerbewältigung nach dem Verlust eines Menschen durch den Tod stattfindet, ist das völlig in Ordnung. Mancher Schmerz braucht eben ganz einfach länger. Wichtig ist, dass Du ihn zulässt.

Schau genau hin, was Dir begegnet. Oft tarnt sich Schmerz als Wut, ist aber eigentlich Traurigkeit, Enttäuschung oder Angst.

Fühle den Schmerz immer dann, wenn er auftaucht. Besucht er Dich, gib ihm Raum. Schiebe ihn nicht auf, verstecke ihn nicht und verdränge ihn auch nicht. Sonst setzt er sich irgendwo fest und muss zu einem späteren Zeitpunkt dennoch bearbeitet werden. Denn er geht nicht, sondern lauert in einem dunklen Winkel Deiner Selbst auf einen günstigen Zeitpunkt, um herauszubrechen, sucht Dich auf, wenn im Alltag etwas (unbewusst) ihn erinnert.

♥ Sei mutig und stell Dich immer dem, was gerade da ist. ♥

 

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