Spaziergang Herbst

Herbstliche Spaziergänge für die Seele

Schon im Herbst ist es morgens verhältnismäßig lange dunkel. Die Zeit, in der es am Tag hell ist, ist begrenzt. Es ist oft schon empfindlich kalt, nass und ungemütlich draußen. Wir sind dann geneigt uns zurückzuziehen, verkriechen uns gern nach getanem Tagewerk in unser gemütlich warmes Heim und muckeln uns ein. Das ist auch richtig so, naht doch die Zeit der inneren Einkehr. Doch ist die dunkle Jahreszeit auch bekannt dafür uns aufs Gemüt zu schlagen, sie macht uns schwermütiger und träger. Manch einer hat gar mit einer saisonalen Depression zu kämpfen. Daher ist es um so wichtiger regelmäßig und bewusst vor die Tür zu gehen und sich an der frischen Luft aktiv zu bewegen. Während uns Spaziergänge im Frühling und Sommer immer noch recht leicht gelingen, sind wir im oft matschigen und tristen Herbst- und Wintergrau nicht leicht zu motivieren rauszugehen.

Rundum-Effekt für Körper & Geist

Doch kaum etwas eignet sich so gut zum Kraft schöpfen, auftanken, Seele baumeln lassen und entspannen wie ein ausgedehnter Spaziergang im Wald. Es streichelt unsere strapazierten Nerven, befreit von schweren Gedanken und beruhigt den Puls. Ein Waldspaziergang, auch bei kühlen Temperaturen, erfrischt und belebt uns bis in all unsere Zellen. Mittlerweile belegen viele Studien, wie wirkungsvoll ein einfacher Spaziergang in der Natur tatsächlich ist und vergleichbaren Nutzen für unsere Gesundheit hat wie Ausdauersport.

Die psychologischen Effekte und kraftspendende Wirkung eines Waldspaziergangs sind natürlich kein neuer Hut. Hier werden unser Sinne auf ganz natürliche Weise angeregt, unsere Wahrnehmung auf allen Ebenen stimuliert. Der viele Sauerstoff, die Ruhe und die natürlichen Geräusche, der Duft und die ätherischen Öle, die von Nadelhölzern und diversen Pflanzen in die Luft abgegeben werden, erfrischen Geist und Körper auf ganzheitliche Weise. Hier ist die Luft staubärmer, was besonders Menschen in städtischen Regionen zugute kommt, die normalerweise einer hohen Feinstaubbelastung ausgesetzt sind.

30 Minuten in der Natur

Die Wissenschaft sagt, schon 5 Minuten körperlicher Aktivität am Tage trage zu einem gesteigerten Wohlbefinden, einem höheren Selbstwertgefühl als auch zu einer verbesserten Stimmungslage bei. Psychologen raten zu einem mindestens 30 minütigen Spaziergang jeden Tag, um die Effekte voll für sich nutzen zu können. Das bedeutet: je gestresster Du Dich fühlst und desto mehr Du geneigt bist den Spaziergang aufgrund von schlechter Laune oder zu vollem Terminkalender ausfallen zu lassen, umso dringender brauchst Du ihn, um Dich zu regenerieren und wieder zu Deiner Mitte zu finden.

Übrigens haben diese Effekte nicht nur die Wälder. Ebenso wohltuend sind Spaziergänge an Flüssen und Seen, in den Bergen oder gar am Meer.

Mit Bewusstheit spazieren zu gehen

Ebenfalls wichtig ist auch die Einstellung und das Bewusstsein, mit dem man spazieren geht. Geht man einfach nur raus in den Wald, nimmt aber die Grübeleien und den Stress aus dem Arbeitsalltag mit, bleibt der Nutzen relativ gering. Denn dann läuft man grübelnd und in geistige Zwiegespräche vertieft durch eine Natur, die man eigentlich gar nicht wahrnimmt. Daher heisst es hier wirklich: mit Bewusstheit spazieren gehen. Das bedeutet, in den Moment zu kommen, ins Jetzt. Sich selbst und das, was einen draußen umgibt, völlig wach und achtsam wahrzunehmen, tief durchzuatmen und sich zu spüren.

5 Tipps für mehr Bewusstheit auf Deinen Spaziergängen

Mit folgenden Tipps kannst Du Deine Bewusstheit und Achtsamkeit auf einem Spaziergang steigern, um ganz ins Hier und Jetzt zu kommen:

  1. Nimm wahr, wie sich der (Wald-)Boden unter Deinen Füßen anfühlt.
  2. Begegnen Dir Gerüche auf Deinem Spaziergang? Oder ist die Luft neutral? Wie verändern sich die Gerüche unterwegs?
  3. Achte mal darauf, wie sich die frische Luft auf Deinem Gesicht anfühlt. Ist sie nur frisch oder sogar eisig? Geht ein Wind? Spielt dieser mit Deinem Haar?
  4. Lausche bewusst den Geräuschen, die Dich auf Deiner Tour umgehen. Nimm auch bewusst die Abwesenheit von Geräuschen wahr. Was kannst Du hören? Und was kannst Du eventuell auch nicht hören?
  5. Und nimm vor allem Dich selbst wahr: Wie fühlt es sich an zu gehen? Welche Bewegungen macht Dein Körper? Welches Tempo ist Dir heute bei diesem Spaziergang angenehm? Welche Gefühle begleiten Dich? Verändern sich diese unterwegs? Welche Gedanken kommen auf?

Schau Dir auf Deinen Spaziergängen genau an, wie sich die Natur im Jahreskreis mit den Jahreszeiten verändert. Bekomme ein Auge fürs Detail. Werde Dir über die zyklischen Vorgänge von Entstehen und Vergehen bewusst und verinnerliche, was Dich die Natur damit für Dein eigenes Dasein lehrt.

Wahrnehmung ohne Bewertung

Nimm all das einfach nur wahr. Bewerte nichts.

Denk immer daran, dass jedes Bewerten nur aus unserem Verstand, unserem Ego heraus geschieht. Unser Verstand will einordnen und nach gut und schlecht unterteilen. Doch das braucht es gar nicht. Diese Bewertungen bringen uns nicht weiter. Eher führen sie dazu, dass wir Dinge und Gegebenheiten ablehnen, ohne uns darüber bewusst zu sein, warum. Alles, was uns begegnet, ist erst einmal völlig neutral. Es gibt kein Gut und kein Schlecht. Belass es dabei und nimm alles auf Deinem Spaziergang völlig wertfrei wahr, egal, ob es sich dabei um Phänomene im Außen handelt oder ob diese aus Deinem Inneren kommen. Alles ist gleich und einfach nur da.

Dazu zum Schluß noch ein kleines Gedicht, weil es so gut passt..

Die Wälder schweigen

Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder.
Man sieht es nicht. Man liest es nur im Blatt.
Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder.
Man zählt die Tage. Und man zählt die Gelder.
Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt.

Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen.
Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch.
Man träumt von Äckern und von Pferdeställen.
Man träumt von grünen Teichen und Forellen.
Und möchte in die Stille zu Besuch.

Man flieht aus den Büros und den Fabriken.
Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund!
Dort, wo die Gräser wie Bekannte nicken
und wo Spinnen seidne Strümpfe stricken,
wird man gesund.

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

(ERICH KÄSTNER)

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