Kindheitstrauma & Nervensystem

4 Beiträge

Kindheitstrauma

Trauma ist ein schweres Wort. Und ein noch größeres Spektrum.

Kindheits- und Entwicklungstraumata unterscheiden sich wesentlich von Schocktrauma. Hier in dieser Kategorie schreibe ich über ersteres.

Ich weiß selbst, wie schwer der Begriff wiegt. Und ich weiß, wie tief der Schmerz ist, anzuerkennen, dass einem Dinge widerfahren sind, die Traumata ausgelöst haben. Es ist ein langer Weg, ein langsames in sich Hineinsickern von Vermutungen, Zweifeln, Erinnerungen. Ich habe fast vier Jahrzehnte gebraucht, um zu verstehen, was mit mir und meinem Körper los ist. Warum er so unberechenbar reagiert und warum er so viele unerklärliche Symptome trägt. Symptome, die immer und immer wieder scheinbar aus dem völligen Nichts auftreten und in meinem Inneren alles vollkommen eskalieren lassen, während mir von Außen niemand anmerkt, dass ich gerade durch die Hölle gehe.

Trauma hat viele Gesichter

Ich habe gelernt zu maskieren. Ich habe gelernt, dass ich mich nicht verletzlich zeigen darf, niemand merken darf, dass ich emotional die Kontrolle verliere und ich um das pure Überleben ringe, während um mich herum alles und jeder weiter funktioniert.

Es ist für mich ein langer Weg gewesen bis an den Punkt, an dem ich mir eingestehen und begreifen konnte, was wirklich mit mir ist. Als Kind dachte ich wirklich, etwas stimmt nicht mit mir. Ich erlebte Abwertungen für mein Sein. Anderssein kam nicht in Frage. Ich musste funktionieren, um jeden Preis „normal“ sein oder was auch immer in jeder Situation von mir verlangt wurde. Und so lernte ich zu maskieren, zu verstecken und ich glaubte wirklich, ich müsse mich mit all meinem Schmerz und Schrecken verstecken.

Mir selbst einzugestehen, dass ich traumatisiert bin und mein Körper dieses (frühkindliche) Trauma trägt und bei jeder Begegnung mit einem Trigger die ganze emotionale Reaktion der ursprünglichen Traumatisierung reaktiviert und ich es immer wieder und wieder und wieder durchlebe, war ein langer Weg. Was schlimm genug, was ich erlebt habe, um zu sagen, dass ich traumatisiert bin? Oder sagt dann jemand, dass ich mich nur wichtig machen will? Dass ich dramatisiere? Um Aufmerksamkeit ringe? Dass ich mir selbst eine Opferrolle zuschreibe?

Was ich heute weiß:

Solange ich nicht eingesehen hätte, dass all die Beschreibungen stimmen und ich tatsächlich an Traumafolgen leide, dass das, was ich erlebt habe, so schlimm war, dass es mich traumatisiert hat und dass ein Bindungs- und Entwicklungstrauma tatsächlich mein Nervensystem immer wieder in die Dysbalance kippen lässt und ich innerlich an jedem einzelnen Tag meines Lebens innerlich ums Überleben kämpfe, solange hätte ich nicht mit der Aufarbeitung der Geschehnisse und der Integration beginnen können. Einzusehen und zuzugeben, wie sehr man verletzt wurde, war für mich ein Schlüssel, um mich auch einer möglichen „Heilung“ zuzuwenden. (Im Bereich von Trauma spricht man mehr vom Begriff der Integration dessen, was erlebt wurde, statt von Heilung, da im Bereich Trauma „Heilung“ so als solche nicht verstanden wird.)

(Weißt oder vermutest Du, dass bei Dir Traumata zugrunde liegen kann, kann dies hier keine Therapie ersetzen. Wende Dich dann bitte an entsprechend ausgebildete Menschen, die Dich gut und entsprechend sensibel begleiten können!)

♥ Schön, dass Du hier bist. ♥