Ich bin eine Sammlerin.
Ich sammle Glimmer.
Jeden Tag.
Seit ich weiß, dass mein Nervensystem immer wieder in Not gerät –
und dass diese innere Enge, der Druck auf meiner Brust, die Unruhe und Anspannung in meinem Körper damit zusammenhängen –
sammle ich ganz bewusst Glimmer.
Denn in Momenten von Glimmer spüre ich,
wie sich mein Nervensystem beruhigt
und ich langsam zurück in ein Gefühl von Sicherheit finde.
Was ist Glimmer?
Im traumatologischen Sinne sind Glimmer winzige Momente von Freude, Sicherheit, Verbundenheit oder Wohlgefühl, die unser Nervensystem wahrnimmt.
Man könnte sagen:
Es sind kleine Glücksmomente des Nervensystems.
Glimmer sind das Gegenstück zu Triggern.
Während Trigger das Nervensystem in Angst, Stress oder Erstarrung versetzen,
signalisieren Glimmer dem Nervensystem:
Gerade ist es sicher. Gerade ist es gut.
Sie können uns dabei helfen, uns zu beruhigen und wieder mehr bei uns anzukommen.
Die Traumatherapeutin Deb Dana beschreibt es so:
„Glimmer sind kleine Momente der Regulation, die uns zurück zu uns selbst führen.“ ✨
Deb Dana/ Traumatherapeutin
Wie fühlen sich Glimmer an?
Oft sind es ganz unscheinbare, kurze Momente. Zum Beispiel:
- das Zwitschern eines Vogels, das lieblich klingt und man bewusst wahrnimmt
- ein sternenklarer Nachthimmel
- ein freundlicher Blick
- ein kurzer Moment der Stille
- Musik, die etwas in mir berührt
- ein Regenbogen
- ein ganz stiller, gewöhnlicher Moment, der sich plötzlich besonders anfühlt
- eine sanfte Stimme
- ein Moment von „Das Leben ist schön“ oder „Ich bin okay, so wie ich bin“
- eine Berührung
- ein tiefes, wohliges Seufzen, das von allein kommt
- Wind im Gesicht
- der Duft von Wald
- die Wärme der Sonne auf der Haut
Ich denke dann oft:
Ein Augenblick von ungewöhnlich alltäglicher Magie.
Und mein Nervensystem lernt langsam:
Hier ist es gerade sicher.
Ich darf mich wohlfühlen.
Warum Glimmer sammeln?
Das bewusste Wahrnehmen von Glimmer kann helfen, das Nervensystem immer wieder in Richtung Sicherheit zu orientieren.
Viele von uns sind darauf trainiert, Gefahr zu suchen.
Unser Blick geht automatisch zu dem, was nicht stimmt, was schwierig ist, was uns stresst.
Glimmer machen etwas anderes.
Sie holen uns für einen Moment zurück zu uns selbst.
In den Körper.
In die Gegenwart.
Glimmer können nur im Jetzt stattfinden.
Und wenn ich einen Glimmer wahrnehme, bin ich für einen Moment nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft – sondern genau hier.

Mit der Zeit können diese kleinen Momente von Sicherheit und Wohlgefühl dazu beitragen,
dass das Nervensystem lernt, nicht nur Gefahr, sondern auch Sicherheit wahrzunehmen.
Wie sammle ich diese kleinen Momente von Sicherheit?
Glimmer zu sammeln bedeutet für mich,
dass ich mich im Alltag immer wieder auf die Suche nach diesen kleinen Momenten mache.
Nicht angestrengt.
Eher wie eine leise, freundliche Suche.
Ein paar Dinge, die mir dabei helfen:
Innehalten
Wenn ich merke, dass sich etwas gut anfühlt, halte ich kurz inne.
Nur ein paar Sekunden.
Und nehme diesen Moment bewusst wahr, statt sofort weiterzumachen.
Glimmer aufschreiben
Ich schreibe mir jeden Tag ein bis drei Glimmer-Momente auf.
Manchmal mache ich auch Fotos und sammle abends ein kleines „Glimmer des Tages“-Bild.
Im Körper nachspüren
Wenn ich einen Glimmer bemerke, spüre ich kurz in meinen Körper:
Wo fühlt sich das gut an?
Wird mein Atem tiefer?
Muss ich seufzen?
Werden meine Schultern weicher?
Wird es irgendwo warm oder weit?
So lernt mein Körper langsam,
diese guten Momente nicht nur zu erleben, sondern auch wirklich zu speichern.
Glimmer einladen
Manchmal schaffe ich auch bewusst kleine Situationen, die mir guttun:
ein Spaziergang in der Natur,
eine warme Tasse Tee,
ein Lied, das ich liebe,
eine Nachricht an einen Menschen, der mir guttut.
Nicht, um mich zu zwingen, mich gut zu fühlen.
Sondern um meinem Nervensystem Gelegenheiten zu geben,
Sicherheit und Wohlgefühl zu erleben.
Ich glaube, Glimmer zu sammeln bedeutet im Grunde,
wieder zu lernen, das Gute wahrzunehmen.
Nicht, weil dann alles gut ist.
Sondern weil unser Nervensystem diese kleinen Momente von Sicherheit braucht, um sich zu erinnern, dass die Welt nicht nur aus Gefahr besteht.
Und vielleicht ist jeder Glimmer ein ganz kleiner Schritt
zurück zu mir. ♡
(Titel-Foto von Marcello Gamez auf Unsplash)
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